2 x 2

Spiegel Online über den Ausgang des Giro d’Italia:

Der 28-jährige Teamkapitän des dänischen CSC-Rennstalls verwies mit 9:18 Minuten Vorsprung den zweitplatzierten Spanier José Enrique Gutierrez auf Rang zwei.

Und ja, ich weiß, dass das nur ein Minimalstschlampigkeit ist, die jedem unterlaufen kann 😉

Wer von wem?

Der Edit-War um den Kleinfeld-Eintrag in der Wikipedia beschäftigt natürlich nicht nur den Spiegel. Auch bei Heise Online findet sich eine unaufgeregte Notiz zum Fall. So weit, so normal.

Nicht mehr ganz so normal sind allerdings die verblüffenden Ähnlichkeiten zwischen den beiden Artikeln.

So heißt es bei Heise:

Konzernmitarbeiter begannen, einzelne Formulierungen zu entschärfen, komplette Absätze und Verweise zu streichen oder zu ergänzen, um ihren Chef in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. In der Siemens-Variante fiel so einfach der erste Halbsatz über die misslungene Sanierung des Handy-Geschäfts weg, auch von dem Aufgeld für BenQ war zeitweise nicht mehr die Rede. Parallel dazu gelang es Siemens, lobende Passagen über Kleinfelds Verdienste als US-Chef einzustreuen und die Behauptung zu tilgen, ihr Boss sei “neoliberal”. Seit wachsame Wikipedianer die PR-Aktion Mitte Mai entdeckten, tobt auf den Diskussionsseiten des Forums ein erbitterter Kleinkrieg um die kosmetischen Eingriffe. Inzwischen wird der Kleinfeld-Beitrag sogar auf der internen Watchlist für besonders umstrittene Artikel geführt, den so genannten Qualitätssicherungsseiten. Ein Siemens-Sprecher verteidigt seine Kollegen und argumentiert, das System stehe jedermann offen. Außerdem seien die Autoren nach den Richtlinien von Wikipedia zur Neutralität verpflichtet.

Der gesamte Passus findet sich fast wortwörtlich beim Spiegel wieder. Mit einem nun allerdings entscheidenden Unterschied im ersten Satz:

Nach Informationen des SPIEGEL …

Heise zeichnet mit “(gr/c’t)”, wobei “gr” mit einer Redaktionsmailadresse verlinkt ist, und datiert seinen Eintrag auf den 27. 5, 11:36 Uhr.

Bei Spiegel Online findet sich unter dem Artikel das Kürzel des stellvertretenden Chefredakteurs Rüdiger Ditz und das Datum 27.5.

Sollten die Informationen des Spiegel am Ende nur darin bestanden haben, bei Heise abzuschreiben?

Nachtrag 6. Juni
Um die letzte Frage aufzugreifen: Nein, haben sie nicht.

Wie mir der Autor des Heise-Beitrages inzwischen geschrieben hat, hat er für seinen Beitrag eine Pressemitteilung des “Spiegel” verarbeitet – wie sein Kollege bei Spiegel Online:

Dass der Text dem Original so ähnlich geblieben ist, muss ich allerdings auf meine Kappe nehmen: Eigentlich ist es guter Stil, solche Meldungen zu ergänzen und auch nicht wörtlich zu übernehmen. Allerdings sollte man dann auch etwas Sinnvolles zu ergänzen haben — das konnte ich hier nicht bieten, und der Spiegel textet ja nun nicht so schlecht, dass man daran viel verbessern könnte. Witzigerweise haben die Kollegen von Spiegel Online sich durchaus stärker vom Original abgewandt.