Schleichwerbe-Glashaus

Schleichwerbung findet Spiegel Online verwerflich – so lange sie bei der ARD passiert. “Dass nach den Skandalen der Vergangenheit erneut Schleichwerbung ins Programm sickerte, belegt, wie mühelos journalistische Standards bei den Öffentlich-Rechtlichen offenbar nach wie vor ausgehebelt werden können”, schreibt Jens Todt über das “Image-Desaster”.

Die journalistischen Standards sind etwa im Pressekodex des Presserates festgelegt, wo es unter anderem heißt: “Verleger und Redakteure […] achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken.” Auch gesetzlich ist Schleichwerbung verboten, so heißt es etwa in Paragraf 13 des Mediendienste-Staatsvertrages: “Werbung muss als solche klar erkennbar und vom übrigen Inhalt der Angebote eindeutig getrennt sein. In der Werbung dürfen keine unterschwelligen Techniken eingesetzt werden.”

Wann genau in einem Online-Angebot Werbung zur Schleichwerbung wird, hat deutsche Gerichte in letzter Zeit häufiger beschäftigt. Auf eine Klage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen gegen das Online-Angebot der Bild-Zeitung urteilte das Berliner Landgericht: Werbung muss als “Anzeige” gekennzeichnet sein, sofern sie nicht nach der Art ihrer Aufmachung eindeutig als solche zu erkennen ist. Auch ein sogenannter Teaser im Kontext redaktioneller Inhalte muss den Leser bereits klar erkennen lassen, ob es sich um eine Werbeanzeige handelt. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Leser, die einen redaktionellen Beitrag erwarten, irregeführt werden, erläuterte das Gericht. Der Besucher einer Internetseite dürfe deshalb nicht erst in den Folgeklicks über den werblichen Charakter einer Anzeige aufgeklärt werden. Spiegel Online erwähnte dieses Urteil auch in einem Artikel vom 5. Oktober 2005 kurz (der Artikel ist inzwischen ins kostenpflichtige Archiv gerutscht).

Am 30. Juni 2006 führte das Berliner Landgericht in einem anderen Urteil (PDF) gegen das Online-Angebot de Bild-Zeitung erneut aus: Der Link auf eine Anzeige sei “Teil der Werbeanzeige”. Daher: “Ein Link, der aus einem redaktionellen Zusammenhang auf eine Werbeseite führt, muss so gestaltet sein, dass dem Nutzer erkennbar ist, dass auf eine Werbeseite verwiesen wird. Fehlt es daran, liegt ein Verstoß gegen den Trennungsgrundsatz vor.”

Jetzt geht auch Spiegel Online unter die Schleichwerber: In fünf Ressorts wird auf der obersten Navigationsleiste auch ein Werbe-Link angezeigt, ohne dass der Link als Werbung gekennzeichnet ist. Im Panorama-Ressort werden “Finanztipps” beworben, im Auto-Ressort sind es “Volkswagen News”, in der Wissenschaft “Chemie News”, in der Wirtschaft “Pioneer Fondsnews” und im Politik-Teil die Private Krankenversicherung. Die Werbung erscheint in der gleichen Schriftart und mit neutraler grauer Hintergrundfarbe (allein die Private Krankenversicherung wirbt mit grün). Dass es sich bei diesen Links um Werbung handelt, ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich – klarer Verstoß gegen die Trennung von redaktionellen und bezahlten Inhalten:

finanztipps.jpg
chemienews.jpg
pioneer.jpg
pkv.jpg
volkswagen.jpg

20 Gedanken zu „Schleichwerbe-Glashaus

  1. Also Leute: Wenn ihr schon einen Ausriss der Spon-Seite hier bemüht, um SPON Verquickung von redaktionellen Inhalten und Werbung vorzuhalten. Solltet ihr wenigstens so fair (oder einfach nur journalistisch korrekt sein) und zeigen, dass genau unter dem Mini-Link jeweils Anzeigen geschaltet sind, die klar so erkennbar sind und auch jeweils Volkswagen-News oder Chemie-News heißen.

    Ihr seid einfach ne ganz arme Truppe.

  2. Liebe “Kritiker”, das ist hoffentlich nicht euer Ernst! Ich habe diese Felder schon vor längerem entdeckt – und schon damals stand da klar und deutlich “Anzeige” drüber. So wie jetzt auch. Also wo liegt Euer Problem? Kritisieren und des Kritisieren willens? Einfach nur irgendwie seine Zeit verbringen? Oder was?

  3. Um das Trio der Kritiker-Kritiker komplett zu machen, mische ich mich auch noch mal ein:
    klicke ich auf einen dieser (m.E. in ihrer Andersartigkeit übrigens GANZ deutlich erkennbaren) Links, so erscheint stehenden Fußes der folgende Hinweis: “ANZEIGE
    SPIEGEL ONLINE ist weder für den Inhalt der Anzeige noch für ggf. angebotene Produkte verantwortlich.”

    Kurz gesagt: ihr habt die am schlechtesten getarnte Schleichwerbung der Welt gefunden – oder es ist gar keine.

  4. Hallo in die Runde,

    es ist richtig – auf der nach dem Link folgenden Seite ist die Anzeige korrekt als Anzeige gekennzeichnet. Das Landgericht Berlin hat jedoch darüber hinaus gehende Kennzeichnungspflichten festgelegt. Demnach ist auch ein Link, der auf eine Werbeseite führt, Teil der Werbung und muss entsprechend gekennzeichnet sein. Daran fehlt es hier.

    Schöne Grüße
    Sebastian

  5. der link ist nichtnur auf der darauffolgenden seite als werbung gekeennzeichnet. genau unten drunter sind die dazu passenden anzeigen. und was meint ihr, auf was werden user reagieren: auf eine stecknadelgroße verlinkung oder eine große anzeige?????

  6. Wenn Du der Meinung bist, dass die User auf eine “stecknadelgroße Verlinkung” nicht reagieren – was ist dann Deine Vermutung dafür, warum die Werbetreibenden dafür Geld bezahlen?

  7. noch mal: die werbetreibenden zahlen für die online-anzeigen, die sich DIREKT unter der verlinkung befinden. jedem wird der zusammenhang zwischen dem link und der anzeige direkt klar, einfacj weil die viel größere anzeige von jedem user viel eher wahrgenommen wird, als der kleine link.

    und selbst wenn ihr meint, der minilink wäre nicht in ordnung, dann wäre es zumindest korrekt, – wenn ihr schon einen seitenausriss zeigt – dass da auch die anzeigen auftauchen, die sich DIREKT unter dem link befinden.

    aber das habt ihr ja in typischer – ich bieg mir meine wirklichkeit zurecht-manier – nicht getan. wer journalisten nicht korrektes verhalten vorwirft, der sollte zumindestens ansatzweise auch journalistisch korrekt arbeiten: sprich – auch dinge angeben, die vielleicht nicht zu der gewünschten aussage passen.

  8. Hmmm…also ich muss Sebastian rechtgeben, ich finde auch nicht in Ordnung dass der Link nicht als Anzeige gekennzeichnet ist. Und das beim Spiegel. Hmm.

  9. Hallo,

    direkt unter den Werbelinks stehen die Wörter “Reise” und “Auto”, die kein Teil einer Werbung sind, sondern zu redaktionellen Ressorts führen. Dies ist auch auf den Screenshots zu sehen.

    Schöne Grüße
    Sebastian

  10. ich bleibe dabei: das ist keine schleichwerbung. jedenfalls nicht wenn direkt darunter eine anzeige steht, die als solche gekennzeichnet ist und die teilweise eben auch mit chemie-news oder volkswagen-news überschrieben sind. also genau den gleichen namen wie den link tragen. und zwar DIREKT darunter.

    dagegen wird hier mal wieder nicht die ganze wahrheit gesagt: denn statt den ganzen ausschnitt zu zeigen mit der anzeige darunter, wird nur der minilink gezeigt. das ist meines erachtens eben nicht journalistisch korrekt.

    und wer antritt, den journalismus anderer zu bewerten, der sollte eben korrekter als korrekt sein.

  11. Vielleicht meinen wir unterschiedliche Seiten? Mir geht es um die Seiten http://www.spiegel.de/politik/, http://www.spiegel.de/wirtschaft/, http://www.spiegel.de/auto/, http://www.spiegel.de/wissenschaft/ und http://www.spiegel.de/panorama/ sowie alle redaktionellen Artikel innerhalb dieser Ressorts. Dir geht es womöglich um die Seiten, die man erreicht, nachdem man auf den Werbelink geklickt hat (z.B. Seiten wie http://www.spiegel.de/politik/0,1518,433151,00.html). Dort steht tatsächlich der Werbelink oben rechts, während im Artikelfeld die großflächige Anzeige steht. Mir geht es aber nicht um die Seiten, bevor man auf den Werbelink geklickt hat. Vielleicht machst Du auch einfach einen Screenshot von der Seite, die Du meinst, auf der der Werbelink DIREKT über der Werbung steht und lädtst ihn bei http://tinypic.com/ hoch, dann können wir so klären, was Du meinst.

  12. Vielleicht habe ich ja den Anschluss verpasst, aber in meinem Browser sieht der jeweilige Werbelink nicht ansatzweise aus wie die redaktionellen. Brauche ich eine Brille?
    Und nehmen wir an, ich bräuchte tatsächlich eine Brille – ein voll ausgeschriebener Anzeigen-Hinweis erwartet mich, wie oben erwähnt und bestätigt, auf der nächsten Seite. Ich gehe nun dennoch davon aus, dass ich mein Hirn auf der Startseite abgegeben habe und den Werbelink nicht als Werbelink erkenne, obwohl er völlig anders aussieht: spätestens nach dem Klick bin ich informiert. Wenn das in den Augen unserer staatlichen Judikative illegal ist, hätte ich es auch ignoriert…

  13. unter dem minilink ist immer eine entsprechende anzeige geschaltet. direkt darunter. zum beispiel unter dem link “chemie-news” eine anzeige die mit “chemie-news” überschrieben bei “volkswagen-news” ebenso eine anzeige darunter die “volkswagen-news” heisst. siehst du die nicht?

    bei den anderen links heißen die anzeigen nicht haargenau wie der link. zum beispiel bei den pioneer fonds. aber es ist immer eine entssprechende anzeige genau darunter. und zwar VOR der seite, die man erreicht, wenn man auf den minilink klickt.

  14. unter dem minilink ist immer eine entsprechende anzeige geschaltet. direkt darunter.

    Nein. Definitiv nicht. Welchen Browser verwendest Du?

  15. egal welcher browser. ob firefox, safari oder explorer. dort drunter ist immer eine anzeige, wollt ihr das nicht sehen?

  16. Also, 2 Sachen:
    1. Deine krude Definition von “direkt darunter” solltest Du einmal gründlich überdenken, direkt darunter ist nämlich bspw. bei “Panorama”:
    “Reise – Auto” “direkt darunter” ist dann
    “login – Registrierung” – darunter dann endlich kommt eine Werbung, die
    2. ab und an mit dem hier bemängelten Link korreliert. Aber auch nur ab und an, bei Panorama seh ich grad:
    “Tagesgeld oder Fondsparen bla blubb…” nichts von einer angeblichen Wiederholung des obigen Titels, wie ich das bei Wissenschaft grad sehe:
    Chemie News (jaja…) und weiter unten – ääh sorry für Dich: direkt darunter 😮 nochmal die Kategorie korrekt als Werbung gekennzeichnet.
    Hammers jetzt endlich?

  17. So, Freunde der Nacht: wie wäre es denn mal damit, folgenden Artikel zu kritisieren:
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,447307,00.html
    Bei der Überschrift könnte man anfangen; “Polizei bricht Verhandlungen mit Sexverbrecher ab” – okay, der Mann ist zwar geständig und die Beweislage mag erdrückend sein, aber ich erinnere mich ganz deutlich, dass ein Mensch in unserem Staat genau so lange als unschuldig zu betrachten ist, bis seine Schuld in einem rechtskräftigen Verfahren mit Urteil ermittelt wurde – ein Grundprinzip in jedem Rechtsstaat. Das ist aktuell noch nicht der Fall. Außerdem finde ich persönlich die Vokabel “Sexverbrecher” seltsam. Einst nannte man solche Personen “Sexualstraftäter”. “Sexverbrecher” erinnert mich stark an den allgemeinen BILD-Duktus.

    Dies Beispiel mag immer noch eine Kleinigkeit sein – das ist es sogar. Allerdings finde ich die Relevanz immer noch deutlich höher als Kritiken wie diese hier. Bin ich damit alleine?

  18. die anzeigen sind diret darunter. “luftlinie” wenige zentimeter an meinem schirm. und wahrscheinlich 20mal so groß wie der von euch bekrittelte link, den die meisten wahrscheinlich übersehen. mir – als emsiger spon-leser – sind die jedenfalls nie wirklich aufgefallen.

    ich bleibe dabei: auch dieses beispiel an “kritik” zeigt wieder einmal, dass ihr nichts von substanz findet (oder finden könnt bzw. wollt) was es wirklich zu kritisieren gilt.

    selbst wenn dieser minilink nicht in ordnung wäre – was ich nicht glaube – so spricht diese pseudo-kritik doch eher für spon: ihr müsst ja schon mit der lupe suchen, um irgendwas kritikwürdiges zu finden. und dabei konzentriert ihr euch so auf mücken, dass hinter eurem rücken eine ganze elefantenherde an kritikwürdigem an euch vorbeiläuft. wie das beispiel von hans zeigt. den diese formulierung finde ich zum beispiel auch nicht in 0rdnung.

  19. Eins vorweg: Ich lese Spiegel online ganz gerne, halte es aber für ein ehrenwertes Anliegen, sich kritisch damit auseinanderzusetzen.

    Die Art und Weise wie .B. “siegstyle” hier-und in fast jedem anderen Strang herumjammert, ausschließlich destruktiv, teilweise ehrverletzend, lassen ihn als den wahren Korinthenkacker erscheinen, “emsiger spon-Leser” hin oder her.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.