Die Müll-Boten von Spiegel-TV

“Jetzt ist es bewiesen. Hartz IV und die neue Pfandregelung schaffen Arbeitsplätze. Ein völlig neuer Beruf ist entstanden: Flaschensammler.”

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Dieser erste Satz in einem Spiegel-TV-Beitrag erfordert eine schnelle Entscheidung: Satire ja oder nein? Oder anders: Gag-Versuch oder Totalmüll?

Leider ist mir auch nach einer Woche Filmchenschauen keine schnelle Entscheidung gelungen. Möglicherweise ist der Beitrag eine Realsatire auf Spiegel-Journalismus. Möglicherweise auch eine Parodie auf BILD-TV. Möglicherweise ist es ein gelber Hacker-Angriff auf die deutsche Journalismus-Kritik. Möglicherweise ist es auch einfach das, was Spiegel-TV zu leisten vermag, wenn Aust gerade mit Windmühlenkämpfen beschäftigt ist oder gewaltig lange Popel aus der Nase ziehen muss. Alles Spekulation. Spekulieren Sie selbst:

“Jetzt ist es bewiesen.

Enthüllungsjournalismus. Spricht für: Spiegel meint es ernst. Denn Humor gab’s da noch nie, und Selbstverlachung ist bis 3012 nicht vorgesehen.

(Hartz IV und) die neue Pfandregelung

Ist brandneu. 1. Januar 2003. Also für einen Dinosaurier der Demokratiegeschütze noch blutjung oder ohrenfeucht.

schaffen Arbeitsplätze

Die Firma, die die Flaschensammler Peter und Joachim beschäftigt, wird zwar nicht genannt, aber es gibt sie bestimmt.

Ein völlig neuer Beruf ist entstanden: Flaschensammler

Peter ist zum Beispiel ganz frisch vor 20 Jahren eingestiegen. Also behauptet Spiegel-TV.

Die Branche boomt, bei Fußballspielen, Konzerten oder anderen Großveranstaltungen kann man die Ich-AGs der etwas anderen Art erleben.

Neue Ich-AG und Hartz IV? Joah, irgendwie geht das sicherlich, den genauen Tipp erfahren wir dann demnächst in einer 10-teiligen manager-magazin-Serie.

Allein oder in Gruppen sammeln sie Plätze, Parks und Stadien ab.

Oder auch ohne wen oder mit allen – aber dafür war in dem Dreiminüter kein Platz mehr.

(…) Mit dem Verdienst wird die Mindestlohngrenze gestreift,

???

für die arbeitslosen Jäger und Sammler eine willkommene Aufbesserung der mageren Stütze.

Arbeitslose Neuberufler in Ich-AG? Weiter!

Peter ist seit mehr als 20 Jahren Flaschensammler. Ein Bundesligaspiel ist für den 47-jährigen ein Muss. Zielsicher durchforstet er das Gelände. Mit geübtem Blick unterscheidet er Pfandgut vom Restmüll. (…)

Gemeint ist wahrscheinlich der gut dual-ausgebildete Blick.

Das Sammeln ist zu einem lohnenden Geschäft geworden,

Ah, die Beschäftigung gibts wirklich: gegen Lohn. Schön.

die Hemmschwelle, in den Müll zu greifen, ist so auch für Arbeitslose gesunken.

Was Spiegel-Reporter schon seit Jahren praktizieren, ist endlich auch für die spätmittagsaufstehenden privatfernsehenschauenden Sofaschmarotzer attraktiv genug. Da sollte die Bundesregierung doch endlich die 25-Pfandcent mit Schockfotos bewerben: Aschloch, beweg dich, für Deutschland (das du ja schon bist).

(…) Der Abend ist lang, und das Tagesziel von 30 Euro hat Peter noch längst nicht geschafft.

Also Kollege Joachim, der immer hinterherhinkt, hat immerhin die Hälfte geschafft. Aber leider ist der Abend ja lang, das macht die Sache schwierig.

Er spart für eine Lesebrille,

fürs Rabattmarkenheftstudium, vermutlich. Aber wir wollen uns ja nicht lustig machen über die neue Branche.

finanziert von dem, was andere achtlos wegwerfen.”

Oder finanziert von denen, die sorgfältig ihren Pfandmüll für die neue Job-Bewegung spenden.

5 Gedanken zu „Die Müll-Boten von Spiegel-TV

  1. Diese Beiträge sind es, die spiegelkritik.de für mich so unlesbar und lächerlich machen. In dem Text da oben sind ganz viel Hass und Ressentiments zu finden, aber kein Funken Intelligenz. Im Gegensatz übrigens zu bildblog.de. Und dümmliches, voreingenommen Sich-Abarbeiten interessiert mich nicht.
    Es erkennt doch jeder Blinde oder Taube, dass dieser Satz da oben nicht ernst gemeint war. Warum also dieses aufgeplusterte Gelaber hier? Wahrscheinlich hat der Autor auf Helgoland einfach nicht viel Gescheites zu tun.

  2. Mal halblang. Das war die erste Spiegel-TV-Kritik. Was erwartest du?
    Außerdem musste ich dann doch an manchen Stellen lachen.

    So, nun aber zur Spiegel-TV-Kritik-Kritik:

    “Spiegel meint es ernst. Denn Humor gab’s da noch nie, und Selbstverlachung ist bis 3012 nicht vorgesehen.”

    Ist das jetzt Satire von eurer Seite oder wie solch ich das verstehen?
    Lest doch mal Spiegel-online. Dann schreibt ihr solche Sätze nicht.

    Aust zieht gewaltig lange Popel aus der Nase? Videobeweis bitte!

    “Oder auch ohne wen oder mit allen” — Häh?

    Auch wenn spiegelkritik mittlerweile nur noch draus besteht, Rechtschreibfehler oder halbsatirische Spiegel-TV-Beiträge (vollsatirisch?) zu kritisieren, was solls, so lange es so lustig ist, wie hier, warum nicht.

  3. Hallo Leute,

    ich war am 30.09.2007 am 34. Berlin Marathon auf dem 17.Juni. War schon um 7:00 Uhr dort habe ca. für 25 Euro gesammelt. Wasserflaschen und ein paar Redbull Dosen waren auch dabei. Dazu habe ich noch tolle T-Shirts gefunden. Einige Läufer schenken mir die Flasche direkt andere machen blöde Kommentare. Am schlimmsten sind die Ordner mit ihren gelben Jacke manche fühlen sich wie der Hauptmann von Köpenick und stellen immer blöde Fragen wie “Sammeln Sie Flaschen?” oder “Was machen Sie damit?” die netteste “war noch kein Hartz IV überwiesen bekommen ?” Egal weiter machen.

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