Lesebeute: Sturmgeschütz wird Gulaschkanone

  • Otto Köhler (ehemaliger Spiegel-Mitarbeiter und ganz frischer Tucholsky-Preisträger) verweist im Freitag auf den gerade in den augenblicklichen Turbulenzen unpraktisch toten Zustand des Spiegel-Herausgebers und anempfiehlt daher dessen Tochter für den Posten – mit Heribert Prantl als Chefredakteur (übrigens ein alter Tucholsky-Preisträger).
  • Matthias Matussek solle „eine Einzelzelle, einen PC und eine Videokamera bekommen, damit sich dieser Wahnsinnige in seinem Blog ausleben kann“, kolportiert der Tagesspiegel über den Ex-Kultur-Chef des Spiegels, der sich noch vor kurzem sehr aufregen musste, fälschlich als Vize tituliert worden zu sein.
  • Oliver Gehrs (gelegentlicher Blattschuss-Kolumnist, Dummy-Verleger und ehemals Spiegel-Redakteur) ruft in der taz Matthias Matussek nach.
  • Roland Schweins ärgert sich sehr über Müller von Blumencrons Ärger über seine Nachrichten-Sites-Studie.

    Im “journalist” (12/2007) schreibt Thomas Mrazek:

    Auch Mathias Müller von Blumencron, dessen Redaktion unterstellt wird, mit „Taschenspielertricks“ zu arbeiten, ärgert sich über die Studie: „Ich betrachte dieses Gutachten als eine Polemik. Die Autoren haben schlecht recherchiert. Sie haben nie Kontakt mit uns aufgenommen, dabei sind unsere Türen immer offen.“ Zudem stütze sich die Untersuchung auf veraltete Quellen aus den Jahren 2001 und 2003. „Es ist eine Unterstellung, dass uns nicht an Qualität, sondern an Klicks liegt.“

    Im Blog Werkkanon entgegnet Mit-Autor Schweins der Kritik und erwartet eine Entschuldigung für die “Falschaussage”.

  • Wolf Lotter nutzt in der Welt Austs CR-Ende für eine kritische Gesamtschau, in der es u.a. heißt:

    “Was guter Journalismus ist, bestimmen heute vorwiegend Betriebswirte und Marketingleute. Zeitschriften sind für sie Plätze, die nützlich sind, um Menschen etwas zu verkaufen, was sie nicht wollen und nicht verlangt haben. Geschichten und Nachrichten sind in dieser Welt gleichrangig mit Klingeltönen, Versicherungspolicen und Kleinkrediten für Flachbildschirme. Journalisten stören dabei ebenso wie Leser, die die merkwürdige Angewohnheit haben, ihr Geld nur dann am Kiosk zu lassen, wenn sie der Inhalt des Blattes interessiert.”

    Dem Spiegel prognostiziert er, Mitarbeiter KG und Geschäftsführer werde “es sicher gelingen, aus dem einstigen ‘Sturmgeschütz der Demokratie’ nun endlich jene Gulaschkanone zu machen, in der keiner die wohlerworbenen Rechte des anderen infrage stellt.”

  • Dass sich Veröffentlichungen nicht alleine auf den Spiegel stützen sollten, um ohne externe Anwaltskosten auszukommen, durfte Lobbycontrol erfahren.
  • Etwas älter schon: Das Parteibuch hatte darauf aufmerksam gemacht, dass Spiegel-Online in der “Wortlaut”-Dokumentation des Austrittsbriefs von Gabriele Pauli zwei Passagen weggelassen hat. Die Auslassungen sind zwar gekennzeichnet, nachvollziehbar sind sie dem Parteibuch aber nicht.