Fliegenschissjournalismus

Der Drang vieler Journalisten und fast aller ihrer Medienbetriebe zur Skandalisierung ist wirklich in gesundheitsgefährdendem Ausmaß eklig. Obwohl es ja zur Routine von uns Medienkonsumenten gehören müsste, diese billigen Inszenierungen rein um des eigenen publizistischen Vorteils willen zu ignorieren, treibt mir jede dieser Schwachsinnsaktionen den Puls in die Höhe. Weil es so billig  ist. Weil es so unjournalistisch ist. Weil es desinformiert anstatt aufzuklären. Und weil ich mich mit den Menschen, die Medienskandale vorantreiben, nicht gemein machen möchte.

Nun wäre mir das Ignorieren heute fast gelungen, ich hatte nach dem ersten Kontakt mit dem Stichwort “sieben Plagen” alle Spam-Filter gesetzt, – aber  dann penetrierte mich ausgerechnete Deutschlandfunk Kultur mit dieser Aufmachung:

Ein eigener Beitrag. Mit einem Zitat der CDU-Vorsitzenden. Aber nicht, um das Gesagte zu vermitteln, nämlich dass Annegret Kramp-Karrenbauer die Union für Dinge verantwortlich gemacht sieht, die sie sich nicht zurechnen lassen möchte. Sondern um aus dem Klugscheißermodus heraus einen “Sturm der Entrüstung” im Netz zu erzeugen, über den man dann als “Shitstorm” berichten kann.   Weiterlesen

Korinthe (89): Europa wählt nicht

“Europa wählt”, bekommen wir derzeit allenthalben zu hören und zu lesen. Dabei wäre der Totum-pro-parte-Spaß doch größer, käme er der Realität näher: “Europa wählt nicht” muss es eigentlich heißen. Weil nicht nur etwa ein Fünftel der Einwohner gar nicht wählen dürfen, sondern von den Wahlberechtigten in der Vergangenheit weniger als die Hälfte etwas aus dem Angebot genommen haben.

Wer allerdings mit konkreten Zahlen kommt, hat die Wahl zwischen wählen und nicht-wählen nicht mehr. Bei “Ze.tt” steht:

Dass 500 Millionen Menschen wählen werden, ist nicht nur unwahrscheinlich, sondern ausgeschlossen – andernfalls hätte sich der Artikel, unter dem diese Info steht, überraschend erledig. Denn sein Thema ist ja gerade der Wahlrechtsausschluss Unter-18-Jähriger.

Satire ist kein Fake

Es war ja klar, dass seit dem 19. Dezember 2018 alles mögliche “Fake” und “Relotius”  ist. Dass der Skandal zu diversen Grundsatzdiskussionen führt, ist ein schöner Nebeneffekt. Was dabei aber alles durcheinander gerät, ist unschön.

So haben diverse Professoren die Gelegenheit genutzt, ihr Credo zu beten, es gebe keine Objektivität im Journalismus, keine Wahrheit, keine Richtigkeit, weil ja alle Wahrnehmung nur Konstruktion von Wirklichkeit sei. Michael Meyen: schreibt:

Objektivität, Trennung von Nachricht und Meinung, Neutralität, Unabhängigkeit, Vielfalt, Ausgewogenheit: Solche Kriterienkataloge sind verräterisch, weil sie etwas versprechen, was niemals einzulösen ist, und so die Selektivität verdecken, die jede Berichterstattung ausmacht (vgl. Lippmann 2018: 293).

All diese Kriterien bestreiten keineswegs Selektivität der Berichterstattung, sie sollen sie viel mehr begründen helfen. So wie “Transparenz”, die Meyen (mit vielen anderen) als Ersatz für den Objektivitätsmythos empfiehlt. Aber das wird ein anderes Mal genauer zu verhandeln sein, das Thema läuft uns bestimmt nicht weg, zu viele universitäre Jobs hängen davon ab, dass diese Debatte nicht endet.

Problematischer, weil ohnehin selten betrachtet, ist die Ausdehnung des Fake-Begriffs auf die Satire. Oder eben: das Verkennen von Satire als Fake.  Weiterlesen

Korinthe (87): Eingebung statt Einblick

>>Ein Narrativ ist eine „sinnstiftende Erzählung“, so betörend, dass sie unsere Wahrnehmung der Realität verändert. […] Solche Meistererzählungen steuern, wie wir unsere Welt sehen und uns verhalten. […] Es sind Rechtfertigungen für unser Handeln und Politik.<<

So erläutert Roland Tichy, was es mit Narrativen auf sich hat, bei denen “die exakten Grenzen zwischen Tatsachen, Erfindung und Hoffnung” verschwinden.

Bei seinen Beispielen bleibt Tichy überwiegend vage. Sein Bezug zur Relotius-Debatte ist grobschlächtig:

>>DER SPIEGEL ist dafür bekannt geworden, dass er Storys publizierte, die solche Narrative emotional aufladen und ausschmücken. Mit der Realität haben sie nichts zu tun. Es geht um die Bestätigung dessen, was wir glauben sollen. Journalismus wird dafür nur mißbraucht.<<

Bei diesem Pauschalvorwurf (einzelne Spiegel-Artikel haben mit der Realität nichts zu tun) wie bei all seinen Einzelstichworten verzichtet Tichy auf jeglichen Beleg: er behauptet einfach, irgendetwas sei ein Narrativ, also eine mehr geglaubte als faktenbasierte Erzählung. Es sind natürlich die üblichen Stichworte, weil es zu ihnen eben ein eigenes einfältiges Narrativ gibt:  Weiterlesen

Rentner ausgebüxt – Medien amüsieren sich

Gegen 03.00 Uhr kümmerte sich eine Streife um zwei betagtere Herren, die an dem Metal-Festival offenbar Gefallen gefunden und sich aus einem Dithmarscher Altenheim auf den Weg gen Wacken gemacht hatten. Natürlich vermisste man sie in ihrem Zuhause und organisierte rasch einen Rücktransport, nachdem die Polizei die Senioren aufgegriffen hatte. Die Männer machten sich allerdings nur widerwillig auf den Heimweg, so dass ein Streifenwagen das beauftragte Taxi vorsorglich begleitete.

Das vermeldete die Polizei Itzehoe am Morgen des 4. August 2018. Und sie regte – Wochenende, Hitze, Sommerloch – zahlreiche wörterverarbeitende Betriebe zur bunten Kolportage an. Was dabei der nachrichtliche Kern sein soll, lässt sich am ehesten anhand der lockeren Teaser bei Facebook und Twitter erahnen.

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Ich sag dir, was du gesagt hast (Korinthe 86)

Ein Hauptproblem im Journalismus ist sicherlich die fahrlässige bis mutwillige Begriffsstutzigkeit von Journalisten. Sie hören, lesen und sehen was sie hören, lesen, sehen wollen, weil es in ihr Weltbild passt oder ihren wirtschaftlichen Interessen entgegenkommt.

Das führt u.a. dazu, dass Kritik an Journalismus und Journalisten fast immer falsch verstanden wird, vor lauter Abwehrreflex und eigener Bedeutungsaufladung. Besonders blank liegen die Nerven bei meinungsstarken Mitarbeitern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, da genügt inzwischen ein einziges Reizwort, eine Erregungskaskade auszulösen.

Die Wahrnehmungsschwierigkeiten von Journalisten sind natürlich wesentlich problematischer als bei vielen anderen Bürgern. Denn sie multiplizieren jobbedingt ihre Verzerrungen, die andernorts mehr oder weniger schadlos in ihrer Blase verbleiben. Ein Beispiel:

Julian Reichelt, “E-i-C BILD”, schrieb auf Twitter:

Die @tagesschau fordert im Kommentar den Rücktritt von Angela Merkel und wirft ihr vor, „verbrannte Erde“ hinterlassen zu haben. http://www.tagesschau.de/kommentar/merk…

Nicole Diekmann, Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio, reagierte darauf so:

Was ist bestürzender? Die Unfähigkeit*, zwischen der Tagesschau und einem Korrespondenten zu unterscheiden? Oder das komplette Nichtwissen* des Unterschieds zwischen Nachricht und Kommentar?
(Gehen wir mal wohlwollend von Unwissen aus, nicht von wissentlicher Unterstellung.)

a) Woran macht Nicole Diekmannn die behauptete “Unfähigkeit” fest? Reichelts Formulierung, “die Tagesschau fordert im Kommentar…” ist so korrekt wie branchenüblich. In den meisten Presseschauen stehen zu Kommentarauszügen nur die publizierenden Medien, nicht die Autoren (was schade und nicht im Sinne des Urheberpersönlichkeitsrechts ist).
Und auch heute.de unterscheidet nicht (immer) zwischen Journalisten und Medien, wenn es etwa heißt: “…berichtet der SPIEGEL“.
Die rhetorische Figur, die Reichelt verwendet, nennt sich Synekdoche (konkret: Totum pro parte).

b) Woran macht Nicole Diekmann “das komplette Nichtwissen* des Unterschieds zwischen Nachricht und Kommentar” fest? Wir würden uns das gerne von ihr mansplainen lassen.
Aber bei 66.200 Followern wird nichts mehr erklärt, da wird nur gepredigt.

Und so verläuft ein erschreckend großer Teil der Twitter-Aktionen meinungsstarker aber rezeptionsschwacher Journalisten: irgendwas aufschnappen, kurz kommentieren, Applaus der Fans abholen, nächster Gig.
(Das Gegenteil dazu  ist “The Art of Active Listening“…)

PS: Sich in einem Kommentar nicht an die eigenen Kunden zu wenden, sondern wie ein Politiker  an die Politik, hier konkret nur an die Bundeskanzlerin, kann man sicherlich einer ausführlichen Handwerks- und Stilkritik unterziehen, aber das ist ein anderes Thema.

Updates: 

+ Malte Pieper, Autor des Kommentars, der u.a. auf tagesschau.de publiziert wurde, äußert sich bei seinem Sender SWR, der auch kurz erklärt, was ein journalistischer Kommentar sei.

Gonzo macht Presse gaga

Gagajournalismus ist eine zwangsläufige Evolutionsstufe des kapitalistischen Nachrichtengeschäfts: geringste Produktionskosten und ein selbst generierter Absatz des Plunders, das freut das Haus. Warum sich die Medienkritik gleichwohl immer  mal wieder mit diesen Produkten beschäftigen sollte: weil dieser Produktionsstil vermutlich gelegentlich auch für die angeblich höherwertigen Beiträge eingesetzt wird. Heutiges Fallbeispiel: die Skandalisierung eines popeligen Blogbeitrags, den zwar so gut wie niemand zur Kenntnis genommen hat, der sich aber für  eine ganze Reihe von Gagaartikeln hervorragend eignet.

Das Mini-Ereignis: Hardy Prothmanns “Rheinneckarblog” (RNB) brachte in den sehr frühen Morgenstunden des letzten Sonntags einen Bericht über einen angeblichen Terroranschlag in Mannheim – den “bisher größten in Westeuropa”. Nach einer Reihe leicht wirrer Details über Tote und Verletzte, Tatorte und blockierte Nachrichtenkanäle bricht der Text mit der Fiktion:

Auf Rückfrage unserer Kontakte bestätigen uns alle Sicherheitsbehörden, dass es bislang nur eine abstrakte Gefährdungslage gegeben habe. Konkrete Hinweise auf Anschläge in Mannheim habe es nicht gegeben.
Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, hatten Sie den Eindruck, dass Sie gut informiert worden sind. Das sind Sie. Über mögliche Entwicklungen.
Wir berichten immer aktuell und immer auch vorausschauend. Ein Anschlag dieses Ausmaßes in Mannheim? Undenkbar? Natürlich ist das denkbar – oder waren frühere Anschläge in anderen Städten “undenkbar”?

Selbstverständlich wären die Mannheimer Sicherheitsbehörden gegenüber einem Anschlag von 50 Mördern in Zweierteams vermutlich eine ganze Zeitlang komplett unterlegen – und dass, obwohl die Mannheimer Polizei sehr effizient organisiert ist.
Das gilt für jede Stadt in Europa. Bislang kennen wir überwiegend nur Einzeltäter oder kleine Gruppen von Tätern wie in Paris, Brüssel oder London. […]

Kleines, nun von vielen für besonders wichtig erachtetes Detail zur Artikelpräsentation  noch: der zitierte Passus war nur für Kunden lesbar, also hinter einer sog. Paywall.

Was Prothmann mit dem Text bezweckte, ist hier eigentlich irrelevant, aber wer zu eigenen Spekulationen anheben möchte sollte die Erläuterung dazu vielleicht doch einmal zur Kenntnis nehmen.

Die publizierte Kritik richtet sich derzeit vor allem auf drei Aspekte, die wir mal so zusammenfassen wollen:  Weiterlesen

Schnibbens Banalisierungsfabrik

Ob Cordt Schnibben wirklich geeignet ist, die besten journalistischen Produkte in Gestalt von Reportagen auszuzeichnen? Auch wenn Können und Können-entdecken nicht zusammenfallen müssen – angesichts solcher Kommentare bin ich unsicher:

Es ist völlig okay, Boulevardjournalismus doof zu finden. So wie man auch die SPIEGEL-Zeitschrift doof finden darf, manches, war Correctiv macht etc. (Wobei es natürlich auch besonders billig ist, Boulevard zu verachten, distanziert man sich damit doch nur vom Lesepöbel.) Aber wenn man für den Applaus seiner Fans so tut, als sei man mit einer Sechs-Wort-Überschrift der BILD-Zeitung ernsthaft überfordert, wird es peinlich.

Die BILD hatte heute getitelt: “Ausländer dürfen über deutsche Regierung abstimmen“. Cordt Schnibben schlägt als weitere Überschriften u.a. vor: “Schwule dürfen über deutsche Regierung abstimmen.” Warum ihm beim Assoziationsspiel zu “Ausländer” die Begriffe “Frauen” und “Schwule” einfallen, mag er vielleicht noch irgendwann erläutern; doch während die BILD-Schlagzeile journalistisch korrekt die Nachricht fokussiert, spinnt Schnibben Nonsens.
Es mag ja sein, dass er keine Erwähnung wert findet, was der BILD zum Aufmacher taugt. Das macht den BILD-Artikel (auf den Schnibben mit keinem Wort eingeht) aber nicht journalistisch falsch, fragwürdig oder irrelevant. Über die Entscheidungsmacht der SPD-Mitglieder wird ja nun tatsächlich landauf, landab diskutiert (auch unter Politologen). Da ist es schon ein relevanter Hinweis, dass über die Regierungskoalition im Zuge des Mitgliedervotums nun auch Menschen entscheiden können, die in Deutschland kein Wahlrecht haben: die also nicht mitentscheiden durften, welche Partei wie stark wird, die nun aber mitentscheiden dürfen, ob die SPD in die Regierung geht (was auch alle Nicht-SPD-Wähler betreffen wird).

Statt ihren Kollegen auf die Peinlichkeit seines Assoziationsspiels aufmerksam zu machen, treibt die bei diesem Thema derzeit unvermeidliche Anja Reschke es noch weiter, direkt bis zum Schmerzpunkt:

Immerhin verweist Reschke auf einen Text, der “soziale Zusammensetzung der Parteimitgliederschaften” thematisiert. Und trotzdem geht ihr Einwurf am BILD-Thema vorbei: denn dass die Mitgliederstruktur in Parteien nie die Bevölkerung widerspiegelt, ist bekannt und geradezu zwingend (sonst bräuchte es ja keine Parteien). Und warum die guten atheistischen Frauen nur auf Twitter groß sind, nicht aber in den Parteien, könnte Panorama ja bei Gelegenheit mal untersuchen. All das hat aber nichts mit dem Artikel der BILD zu tun. Und wer das nicht versteht, empfiehlt sich nicht gerade als Welterklärer oder Notengeber für Welterklärer.

Stattdessen bestätigen die beiden Journalisten und ihre Jünger natürlich einmal mehr, wie Medienmainstream funktioniert: nicht von irgendwo gesteuert, natürlich nicht, sondern aus freien Stücken – aufgrund gleicher Sozialisation, ähnlicher persönlicher Interessen, identischer Informationsnetzwerke etc.

Dass es bei solchen Tweets um mehr geht, als Boulevard allgemein oder speziell die BILD blöd zu finden, zeigen viele Reaktionen darauf: Das Assoziationsspiel geht weiter, den Artikel der BILD hat niemand gelesen, Falschinformationen machen die Runde, das eigene Weltbild wird  mit Freude und Phantasie ausgeschmückt – es passiert also genau das Gegenteil von dem, was Journalismus will (oder wenigstens soll). Und deshalb muss man sich über solche Twitter-Botschaften aufregen.

PS: Warum stören sich ausgerechnet Menschen, die sich für sehr weltoffen und -erfahren halten, immer an der Bezeichnung “Ausländer”, die sie doch vom eigenen Rollenspiel in der Ferne nur zu gut aus der anderen Perspektive kennen sollten?  Weiterlesen

FAZ: Wirtschaftsthema fett versemmelt

Einer der Gründe für den schlechten Zustand des Journalismus dürften die Großredaktionen sein. Großraumbüros und Großraumtoiletten sind einer natürlichen Ejakulationsrate abträglich. (Und den schnellen Bürosex gibts auch nur in der BILD-Phantasie, und in Wahrheit sind gerade Journalistenansammlungen absolut knisterfreie Zonen.)
Es ist zwar doof, dass wir schlechten Journalismus haben, weil die Damen und Herren zu selten kommen, aber – aber: wir müssen damit leben, und zwar stillschweigend, weshalb Sie bitte die ersten Zeilen auch gleich wieder vergessen. Denn Sex gehört – legal veranstaltet oder unterdrückt – zum “höchstpersönlichen Lebensbereich”. Mag des Nächsten Bemühen in diesem Intimbereich auch unsere Phantasie beflügeln und den Treppenhaustratsch nähren: es ist kein öffentliches Thema, und das meint konkret: keines für Medien und Politik.  Weiterlesen

Bundesamt für Witzzulassungen

Von Rassismus kann man gut leben. Also von Rassismusvorwürfen. Denn nur mit ihnen kann man sich selbst als Antirassist abgrenzen. Psychologen haben für dieses Abgrenzen allerhand Erklärungen parat, aber es ist vor allem simple Ethologie: der Mensch als Familientier braucht ein paar Artgenossen um sich herum, mit denen er sich gegen den Rest der Welt verbündet und für seine Sippschaft sorgt (gerne auch beliebig auf Kosten anderer). Wo das mit Familien und kleinen Dörfern nicht mehr geht, bilden sich Ersatz-Clans auch ohne jede Verwandtschaft – eine Schulklasse hält für gewöhnlich gegen andere Klassen zusammen, auch eine Bundeswehrstube, eine Fußballfanuniform oder eine Twitter-Jüngerschaft schaffen neue Sozialverbände, die sich jeweils durch Abgrenzung von allen anderen definieren.

Es ist daher überhaupt nichts Besonderes, wenn irgendwelche Twitterwesen zu einer Karikatur der BILD über deutsche Politiker lauthals herausposaunen, es handele sich dabei um “rassistische Scheiße”. Man sollte es da auf gar keinen Fall mit Argumentation versuchen, mit Fakten oder Logik – es ist auch egal, ob sich Leute empören, die vor zweieinhalb Jahren noch Charlie waren, denn auch Charlie war ja nur eine temporäre Ersatzfamilie, die billigst mögliche Abgrenzung gegen Terroristen und ein Gute-Laune-Macher (wir stehen zusammen auf der richtigen Seite).

Nicht ganz so belanglos ist es, wenn Journalisten oder reichweitenstarke Journalismuskritiker ihre Peergroup-Fahne auch im Job hochhalten und darüber ein paar Tugenden guter Berichterstattung vergessen.  Weiterlesen