Reichlich arme Kinder mit 1006 EUR

Jedes Kind zwischen sechs und 13 Jahren verfügt im Durchschnitt über ein Vermögen von 1006 Euro,

schreibt SpOn-Redakteur Tim Höfinghoff heute. Unter der Überschrift “Kinder sind so reich wie nie” referiert er Ergebnisse der diesjährigen “Kids Verbrauche Analyse” (pdf) von sieben Verlagen, die wissen wollen, wo bei der attraktiven Zielgruppe Geld locker sitzt.

Dass Durchschnittswerte denkbar ungeeignet sind, die Wirklichkeit zu beschreiben, versteckt SpOn in zwei Links zum Thema. Denn erst vor vier Tagen gab es ein Interview der SpOn-Volontärin Anna Reimann mit dem Leiter des christlichen Kinder- und Jugendwerkes “Die Arche”, Bernd Siggelkow, über 2,5 Millionen arme Kinder in Deutschland. Siggelkow sagte u.a.:

Wieviele Kinder sozial total verwahrlost sind, wird nicht erfasst. Die Zahl 2,5 Millionen bezieht sich auf die Hartz IV-Empfänger. Aber es verwahrlosen eben auch viele Kinder, die nicht von Hartz IV betroffen sind. Man kann hier von einer Art von Wohlstandsverwahrlosung sprechen: Beide Elternteile arbeiten, um ihre Familie durchzubringen und die Kinder sind von morgens bis abends auf sich allein gestellt – solche Fälle gibt es in Hülle und Fülle. Kinder werden immer mehr zu einem Luxusartikel und gleiten dadurch in Armut ab – in soziale Armut oder in Einkommensarmut.

Wenn Journalismus mehr sein soll als Bloggen, müssen solch unteschiedliche Blickwinkel zusammengebracht werden, zumal die jeweiligen Meinungs-Akteure ganz unterschiedliche Interessen verfolgen.

5 Antworten zu “Reichlich arme Kinder mit 1006 EUR”

  1. die meinungen sind doch zusammengebracht: gleich beim artikel sind die links angegeben.

    und der artikel beginnt mit den worten:

    Berlin – “Armes Deutschland mit reichen Kindern” sei eine der Hauptaussagen der diesjährigen Untersuchung, sagte Ingo Höhn, Geschäftsleiter Anzeigen beim Egmont Ehapa Verlag, dem Herausgeber der Studie. Eltern würden trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage in Deutschland zu allerletzt bei ihrem Nachwuchs sparen.

    Der Spiegel schreibt über die Ergebnisse einer Studie und nicht über eigene Ergebnisse. Kleiner Unterschied.

    Wo liegt hier genau der Skandal? Hahahahaahahaha

  2. Der “Skandal” liegt darin, dass SPIEGEL hier einer Firmenstudie mit dem Zweck der Gewinnoptimierung allein durch die Erwähnung einen quasi-glaubwürdigen Anstrich verleiht.

    Schön, dass hier und da Links gesetzt sind. Aber mal ehrlich, wer konsumiert denn dieses Blatt oder überhaupt Nachrichten so aktiv, dass er alles nachprüft? Jemand, der Interesse am Thema hat, vielleicht. Die große graue Masse jedoch nimmt einfach auf und setzt beim SPIEGEL, der immer noch vom Nimbus der Glaubhaftigkeit aus 68er-Zeiten zehrt, voraus – dass was da steht, ist wahr und hat Substanz.

    Man muss keinen sozialwissenschaftlichen Statistikkurs besucht haben, um zu erkennen, dass man von einer Teilmasse von 1652 Interviews nicht auf die Gesamtgröße von 5,84 Millionen Kinder schließen kann. Das sind nicht mal 0,04% (eines von 2500 Kindern), wenn man von einer durchschnittlichen Kinderzahl von 1,4 pro Interviewpartner ausgeht. Das Attribut “repräsentativ” ist also eine schlichte Lüge.

    Ferner ist eine einzige Maßzahl zur Erklärung sozialer Phänomene nicht ausreichend. Der Durchschnittswert (wissenschaftlich: das arithmetische Mittel) ist zu leicht beeinflussbar durch Ausreisser in den Werten. Neben der Betrachtung von Modus und Median der Wertemenge ist auch eine Analyse der Streuung bzw. Verteilung der Werte wichtig, um überhaupt etwas ableiten zu können.

    Einfach gesprochen: Wenn neun Kinder einen Euro haben und ein Kind hat 91 Euro kommt der gleiche Durchschnitt heraus wie wenn alle zehn Kinder jeweils 10 Euro haben.

    Für die Egmont-Ehapa mag das egal sein. Die Studie scheint mir in erster Linie darauf angelegt zu sein, Werbekunden zu becircen. Der SPIEGEL allerdings wittert hier irgendwelche gesellschaftspolitischen Trends. Dass das völliger Schwachsinn ist, fällt den allermeisten SPIEGEL-Lesern nicht auf. Solche Statistikaffinen Erklärungsversuche gibt’s nämlich fast jede Woche. Die, die’s erkannt haben, lesen das Blatt – so bleibt’s zu hoffen – nicht mehr.

  3. sehr schön deine replik, sie zeigt aber mal wieder das eure kritik von spekulationen und persönlichen einschätzungen geleitet ist.

    zunächst mal war der arme kinder-link nicht versteckt (wie hier behauptet) sondern in einer link-box, die sehr deutlich zu sehen war.

    wenn ihr meint, links werden nicht gelesen, warum benutzt ihr selbst hier links ohne ende. weil die auch nicht gelesen werden. alles reine spekulation. außerdem war der arme kinder link selbst mal hauppthema gewesen. sehr wahrscheinlich um werbekunden anzulocken.

    da ich selbst staats- und sozialwissenschaften studiert habe und damit auch einen superdupi statistikschein gemacht habe brauchst du mir statistik nicht zu erklären. ich habe da aber auch gelernt, dass eine repräsentativ ausgewählte stichprobe in der größe ausreicht um richtige aussagen zu treffen.

    die wahlumfragen der institute haben ja auch keine stichprobengröße von 3 millionen sondern auch nur gut 1000 menschen. es kommt eben darauf an wen man auswählt. also kann das ergebnis der studie schon richtig sein, auch wenn viele kinder auf sozialhilfe nivau leben. denn: deutschland ist auch eines der reichsten länder der welt, in der noch viel mehr kinder sehr gut leben.

    das hat nichts mit einer besseren welt kampagne des spiegels zu tun. wenn er das wirklich machen wollte, würde er nicht artikel wie 2,5 millionen arme kinder in deutschland publizieren. abgesehen von allen anderen weltuntergangsartiklen im spiegel.

  4. Argh!!
    Zur Abwechslung mäkele ich mal an den Kommentaren und nicht an der Meldung herum (wobei auch diese wieder dazu einlädt – aber siegstyle hat prinzipiell schon alles gesagt).

    MaloXP geruhte folgendes zu sagen: “Man muss keinen sozialwissenschaftlichen Statistikkurs besucht haben, um zu erkennen, dass man von einer Teilmasse von 1652 Interviews nicht auf die Gesamtgröße von 5,84 Millionen Kinder schließen kann. Das sind nicht mal 0,04% (eines von 2500 Kindern), wenn man von einer durchschnittlichen Kinderzahl von 1,4 pro Interviewpartner ausgeht. Das Attribut “repräsentativ” ist also eine schlichte Lüge.”

    Das zeugt von einem DERARTIGEN Unverständnis der Materie, dass einem glatt das Essen aus dem Gesicht fällt.
    “Repräsentativ” ist kein Attribut für die Umfrage sondern für die ausgewählten Personen. Man wählt die in der Stichprobe Befragten nach bestimmten Kriterien aus; beispielsweise müssen x Menschen mit Abitur dabei sein, y Menschen mit Berufsausbildung, z Menschen in der Altersgruppe von 20 bis 24 usw.
    x, y und z… entsprechen prozentual zu der Gesamtgröße der Stichprobe ganz exakt der tatsächlichen Demografie. “Repräsentativ” heißt also, dass nicht willkürlich Personen befragt wurden, sondern die tatsächlichen Verteilungsverhältnisse berücksichtigt wurden.

    Argumente wie “Das kann ja wohl nicht repräsentativ sein wenn nur 1000 von 1 Million befragt wurden” werden üblicherweise von Leuten bemüht, die das ganze System vorne und hinten nicht verstanden haben – selbstverständlich sind die Ergebnisse von solchen Umfragen nicht bis auf die letzte Nachkommastelle exakt aber sie haben ein sehr sehr hohes Konfidenzintervall mit engen Grenzen.

    Richtig. Man muss keinen “sozialwissenschaftlichen Statistikkurs” absolviert haben. Man muss auch nicht studiert haben. Man muss allerdings sein Hirn eingeschaltet haben und sich ganz vor allem informieren, worüber man eigentlich redet.

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