Anregende Gespräche auf Guantanamo

Natürlich kann man Kindesmisshandlung einen “Erziehungsstil” nennen. Und mit Gewalt erzwungenen Beischlaf eine “Sexualpraktik”, vielleicht auch “Hobby” – gebräuchlicher ist aber wohl “Vergewaltigung”. Auch im Journalismus. Denn der soll nicht größtmögliche Distanz schaffen, vernebeln, der Phantasie freien Lauf lassen, sondern möglichst präzise berichten.
Es ist allerdings ein leidiges Rentnervorurteil, präzise Berichterstattung müsse linear verlaufen. Das ist zwar die gebräuchliste, weil Rezipienten schonendste Methode, jedoch ist auch das Spiel über Bande seit den Schöpfungstagen gute Übung. Mit Bravour gemeistert hat sie Spiegel-Online im aktuellen “Waterboarding”-Bericht. Konsequent spricht das deutsche Nachrichtenmagazin im Internet von einer “Verhörmethode”, eine geniale Anspielung auf die “peinliche Befragung” der Heiligen Inquisition. SpOn schreibt:

Der Verhörte glaubt zu ertrinken – international ist die als “Waterboarding” bezeichnete Verhörmethode umstritten.

Und:

Tags zuvor hatte die US-Regierung erstmals eingeräumt, dass die CIA die Verhörmethode bei drei Häftlingen angewendet hat.

Oder:

Hayden verbot die Verhörmethode im Jahr 2006.

Der flüchtige Leser mag darin eine eklige Übernahme des Jargons der US-Regierung sehen. Eine Berichterstattung, die mit ihrem Anliegen präziser, unmittelbarer, schonungsloser Aufklärung bereits im Rektum des Objektes gelandet ist. Doch: Halt, halt! Das Rubrum des Artikels heißt eindeutigst: “Folter”. Und damit spannt das digitale Blatt herzerfrischend den Bogen unserer blinden Gefolgschaft bis zum – Peng.

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1 Antwort zu “Anregende Gespräche auf Guantanamo”

  1. Neutrale Berichterstattung hin oder her, aber wenigstens mit einem einzigen Satz, oder mit einer einzigen Andeutung hätte sich der Autor phw seinerzeit (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,522618,00.html) von der Folterpraktik distanzieren können. Aber so hat man das Gefühl der Autor würde am liebsten “Weicheier!” schreien, wenn er schreiben muß:”Wegen der Brutalität und der Todesängste, die der Verhörte ausstehen muss, stufen Menschenrechtler, aber auch zahlreiche US-Politiker Waterboarding als Folter ein.” Offenbar gehören die Autoren beim Spiegel-Verlag nicht zur Kategorie Menschenrechtler.

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