Korinthe (57): Russische Prozente

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Dem Vergleich soll offenbar eine Rechnung zugrunde liegen.

“Während der schmerzlicher Reformen der Jelzin-Jahre verloren die Russen im Schnitt 60 Prozent ihrer Realeinkommen. […] Jeder Deutsche stelle sich vor, dass er Jahr für Jahr zwölf Prozent weniger Einkommen hat und das ein halbes Jahrzehnt lang.”

12 mal 5 ist in der Tat 60. Aber wenn man von einem Betrag X fünf Mal 12% abzieht, hat man nicht 60% abgezogen, sondern etwa 47,23%. So wie beim Zinseszins die Rechenbasis immer größer wird, wird sie hier natürlich von Jahr zu Jahr kleiner. Im zweiten Jahr zieht man 12% ja bereits von (X – 12%) ab. Damit man über 5 Schritte (mit einer gleichbleibenden Verlustrate) 60% verliert, ist in jedem Schritt eine Verlustrate von ca. 17% nötig.

Mit Dank an unseren Sonntagsrechner Sebastian, der sich an solchen Stellen ein besseres SpOn-Lektorat wünscht, das wenigstens über die Mathematik höherer Schulklassen verfüge.

6 Antworten zu “Korinthe (57): Russische Prozente”

  1. Genau diesen Artikel habe ich eben auch gelesen und dann an Spiegelkritik gedacht. Denn da steht:

    “Staatsgründer Lenin gar pries Iwanowo als dritte proletarische Hauptstadt nach Moskau und Leningrad.”

    Lenin starb am 21. Januar 1924, in “Leningrad” wurde St. Petersburg aber erst am 26. Januar 1924 umbenannt. Wenn, dann pries Lenin also Iwanowo als dritte proletarische Hauptstadt nach Moskau und Sankt Petersburg.

    [SpKr: Da es ein anderer Artikel ist, haben wir den Verweis nochmal separat mit Link aufgenommen – vielen Dank!]

  2. zurück zur Prozentrechnung:
    SpOn schreibt ja nicht explizit, dass sich die 12% auf das jeweils aktuelle Einkommen beziehen. Möglich, dass SpOn da wirklich immer vom ursprünglichen Gehalt 12% abgezogen sehen will.
    Insofern kein Fehler, auch keine Korinthe, sondern nur eine Interpretationssache.

  3. Es ist zwar richtig, dass SpOn das nicht explizit geschrieben hat, aber so wie Peter L. es beschreibt, werden Verluste nicht beschrieben. So gesehen haben wir also die Wahl dazwischen, ob das Lektorat einen mathematischen Fehler übersehen hat oder einen deutlichen Bruch mit Konventionen, wie (gerade auch in journalistischen Texten) über solche wirtschaftlichen Entwicklungen berichtet wird. Was ist wohl wahrscheinlicher? Ich bleibe bei meiner Einschätzung.

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