Keine Extra-Wurst für Heidelberger Müll

Heidelbergs OB Eckart Würzner ist sauer, weil er die Müllgebühren seines Städtchens in der “Großen Vergleichstabelle” auf Spiegel-Online für unrichtig hält: „Ich habe mich immer für transparente Vergleiche von Dienstleistungen ausgesprochen. Sie setzen das eigenen Handeln mit dem anderer in Beziehung und helfen, die eigenen Kosten gering zu halten. Wenn aber Zahlen ohne Sachkunde einfach nebeneinander gesetzt werden, dann enttäuscht mich das.“

Würzners Ansicht nach werden Standardwerte dem in Heidelberg eingeführte System, wonach die Restmülltonnen nach Bedarf geleert werden und so bedarfsabhängige Kosten anfallen, nicht gerecht. “Ich erwarte bei einer seriösen Kostengegenüberstellung das Bemühen nach vergleichbaren Größen. Das ist hier nicht der Fall, weil hier keine vergleichbaren Abfallkonzepte oder Lebenslagen einander gegenüber gestellt werden. Darauf haben wir die Wirtschaftsredaktion von Spiegel Online bereits im Dezember 2007 schriftlich hingewiesen, ohne eine Antwort zu bekommen.” Zur weiteren Begründung siehe Würzners Pressemitteilung.

Spiegel-Online-Redakteur Anselm Waldermann kann der Kritik aus Heidelberg wenig abgewinnen und erklärt auf Anfrage von Spiegelkritik:

– Den Vorwurf, in der Mülltabelle würden “Zahlen ohne Sachkunde einfach nebeneinander gesetzt”, weisen wir zurück. Die Untersuchung wurde vom unabhängigen Verbraucherportal Verivox im Auftrag von SPIEGEL ONLINE durchgeführt. Verivox verfügt über große Erfahrung beim Vergleich von Gebühren und Preisen.

– Die Behauptung, SPIEGEL ONLINE wärme einen Vergleich neu auf, “der bereits im Dezember 2007 zu einer Beschwerde der Stadt geführt hatte”, ist falsch. Im Dezember 2007 hatte SPIEGEL ONLINE Vorrecherchen zu der nun im Juli 2008 erschienenen Mülltabelle durchgeführt. In diesem Zusammenhang ist auch die Stadt Heidelberg angeschrieben worden. Die nun veröffentlichten Zahlen hat jedoch Verivox erhoben. Sie entstammen der aktuellen Gebührenordnung von 2008.

– Die Stadtverwaltung erklärt, dass es in Heidelberg ein sogenanntes “Bedarfssystem” gebe. Dies ist für einen bundesweiten Vergleich jedoch irrelevant. Um die Müllgebühren der verschiedenen Städte miteinander vergleichen zu können, muss man standardisierte Musterfälle analysieren. Im konkreten Fall heißt das: 4 Personen, 60 Liter pro Woche. Diese beiden Werte gelten für alle untersuchten Städte. Natürlich weicht das tatsächliche Müllaufkommen in Einzelfällen davon ab (wer besonders umweltbewusst lebt, vermeidet Müll). Für die bundesweite Vergleichbarkeit müssen jedoch einheitliche Größen herangezogen werden.

– Die Stadtverwaltung von Heidelberg erklärt, sie habe ihre Bedenken SPIEGEL ONLINE bereits im Dezember 2007 mitgeteilt. Falsch ist, dass SPIEGEL ONLINE darauf nicht geantwortet habe. Aus unserer Sicht sprechen gute Gründe dafür, den Gebührenvergleich so durchzuführen, wie wir es getan haben.

3 Antworten zu “Keine Extra-Wurst für Heidelberger Müll”

  1. Um einen Vergleich herstellen zu können, muss man nunmal eine gemeinsame Berechnungsgrundlage schaffen, da hat Herr Waldermann durchaus recht. Wenn diese veröffentlicht wurde, ist der Vergleich so legitim. Verbraucher sind ja keine dummen, unmündigen Wesen, die nicht lesen können.

  2. @Müllmann: genau. Darum steht’s auch so schön in der extra eingerichteten Anmerkungs-Spalte. Und Verbraucher sind dumme, unmündige Wesen. (Btw: ich bin auch ein Verbraucher!)

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