„Es wandert niemand in unsere Sozialsysteme ein.“ Dieser Satz von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas im Bundestag hatte es – vor allem mit Reaktionen darauf – in die Tagesthemen vom 7. Mai 2026 geschafft (Video, ab 4:57).
Bei Übermedien kritisiert daran Johanna Bernklau am 13. Mai, dass im ARD-Beitrag auch ein 5-Sekunden-Ausschnitt einer Sendung von Nius gezeigt wurde.
>Als erste Empörungszeugin tritt ‚Focus-Online‘-Moderatorin Carolin Büchel auf […]
Danach echauffiert sich ‚Bild‘-Chefreporter Peter Tiede […]
Und als krönenden Abschluss darf noch Julian Reichelt, Chefredakteur des Krawallportals ‚Nius‘, seinen Senf dazugeben: „Man ist wirklich fassungslos. Man fragt sich, ob es Zynismus ist, ob es Durchhalteparolen sind.“
[…]
Um ‚Nius‘ (oder auch ‚Focus Online‘ und ‚Bild‘) zu zitieren, gibt es in diesem Bericht überhaupt keinen Grund. Die Ausschnitte transportieren keinen einzigen exklusiven Fakt oder originellen Gedanken. Ein Faktencheck hätte gereicht, um die Aussage der Arbeitsministerin als Falschaussage zu entlarven. <
War es also ein journalistischer Fehler, die drei Statements und insbesondere das von ‚Nius‘ in den Tagesthemen zu bringen?
Bernklau weist selbst auf die Begründung im Beitrag hin, denn da heißt es: „Eine Aussage, die im Plenarsaal vereinzelt für Gelächter sorgt und viele im Land empört.“
Da auch dieses „viele im Land empört“ einem Faktencheck zugänglich sein muss (Tatsachenbehauptung), drängt es sich geradezu auf, ein paar O-Töne dazu zu bringen. Und hier sind es mal nicht willkürlich auf der Straße gesammelte, sondern bereits mit gewisser Reichweite publizierte.
Aber manche Journalisten sehen in solchen Zitaten ein unanständiges „Bühnebieten“, allerdings stets nur, wenn diese nicht ihre eigene Meinung verbreiten.
Dieses mit zweierlei Maß Messen zeigt sich auch an der Thematisierung an sich. Bernklau beendet ihren Kommentar mit der rhetorischen Frage:
>Ist es auch die Aufgabe von Journalisten, dermaßen viel Empörung über einen herausgepickten Satz abzubilden, wenn der Kontext klarmacht, dass ein Politiker oder eine Politikerin eigentlich etwas anderes damit ausdrücken wollte?<
Wer eine Antwort weiß, muss diese dann auch auf folgende Frage geben:
Ist es die Aufgabe von Journalisten, dermaßen viel Empörung über fünf Sekunden Reichelt in den Tagesthemen zu äußern und damit ein relevantes Qualitätsproblem zu behaupten?