Social-Media-Recycling als Journalismus

t-online nennt sich das „reichweitenstärkste Leitmedium Deutschlands“ (Übermedien). Als dieses leitet es offenbar auch durch die Archive des Webs – verpackt als Journalismus. Aktuell: Die Entdeckung eines „McBoat“ in Hamburg.

In den Quellen unter dem Beitrag ist zwar auch „eigene Recherche“ angegeben, aber vor Ort war die  in der Autorenzeile genannte „Redakteurin für Norddeutschland“ offenbar nicht.

Aber auch vom (mobilen) Schreibtisch aus hätte auffallen müssen, dass das präsentierte Foto nicht zur Geschichte passt. Denn von „McBOAT“ ist da nichts zu lesen. Auch die rote Grundfarbe des Schildes mit der Aufschrift „Anlegen und genießen“ entspricht nicht dem gegenwärtigen McDonalds’s-Style.

Und siehe: das aus der Wikipedia genommene Bild stammt von September 2009.

Die tragenden Informationen des Beitrags sind ansonsten einem Instagram-Post entnommen, der selbst schon über ein Jahr alt ist und ein Video enthält, das noch ein Jahr früher entstanden – und damals schon viral gegangen –  sein soll, also im Mai 2024.

Aber bitte: die weit verbreitete Definition, Journalismus beschäftige sich mit aktuellen Geschehnissen, eröffnet einen breiten Ansatz. Wenn t-online doch erst jetzt auf diese „weltweit einmalig[e]“ Filiale gestoßen ist, dann ist es für t-online und seinen Inhaber, das Werbeunternehmen Ströer, eben aktuell.

(‚Bild‘ hat McBoat bereits im April entdeckt und meint, den Anleger gebe es seit 2015. Mit Blick auf die t-online-Entdeckung bei Wikipedia könnten sie diese Info nun updaten…)

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