Obwohl fast jedes Jahr einen Sommer hat, schafft es der „Ratgeber-Journalismus“ des ZDF nicht, dafür einmal korrekte und tatsächlich hilfreiche Tipps zum Umgang mit Hitze zu recherchieren.
‚ZDF heute‘ postete auf Instagram die nebenstehende Kachel.
Also zusammengefasst:
1. Nur lüften, wenn es draußen kühler ist als drinnen.
2. Ansonsten Fenster geschlossen halten und abdunkeln.
3. Elektrogeräte ausschalten.
4. „Teppiche speichern Wärme, wenn möglich einrollen.“
5. „Feuchte Wäsche kühlt durch Verdunstung die Luft. Bei hoher Luftfeuchtigkeit kann es aber unangenehm schwül werden.“
Das, was dran richtig ist, sollte jeder Mensch nach ein paar Jahren Lebenserfahrung schon wissen. Ansonsten steckt Unsinn in den Tipps, und der wichtigste – leider immer noch verbrämte – Hinweis fehlt.
Gegen Punkt 1 polemisiert Jörg Kachelmann seit Jahren – aber zu unrecht. Lüften ist bei Tageshitze nur in drei Fällen sinnvoll:
a) Wenn die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung zu hoch ist, dann muss sie einmal ausgetauscht werden (sofern die Außenluft danach nicht durch Abkühlung im Raum noch feuchter ist (also spätestens am Taupunkt, den heute wohl jedes digitale Hygrometer anzeigt).
b) Wenn man erfolglos schwitzt, weil kein Ventilator (Punkt 6) vorhanden ist und mit dem Lüften ein Durchzug erzeugt werden kann (also quasi Wind).
c) Und natürlich, wenn es innen bereits wärmer ist als außen, z.B. aufgrund einer großen Fensterfront. Aber das steht im ZDF-Tipp ja richtig.
Punkt 3 ist natürlich richtig, sollte aber wohl von der Gerätefunktion her abgewogen werden. Eine der bedeutendsten Heizungen ist der Kühlschrank bzw. der Tiefkühler.
Punkt 4 ist in dieser Formulierung Quatsch. Teppiche speichern nur wenig Wärme, im Vergleich zu anderen Elementen einen Wohnung haben sie kaum Masse (so dass es auf die spezifische Wärmekapazität nicht weiter ankommt).
Allerdings isolieren sie gegenüber dem Boden, auf dem sie liegen. Ist dieser (noch) kühl (z.B. Steinboden im Erdgeschoss), kann er Wärme aufnehmen, wenn der Teppich weggenommen wird.
Punkt 5 kann zwar rein rechnerisch einen (deutlichen) Effekt erzielen (adiabate Kühlung). Er dürfte jedoch überkompensiert werden durch die damit einhergehende Reduktion der natürlichen Schwitz-Kühlung des Menschen, was beim ZDF „unangenehm schwül“ heißt. Nicht zu empfehlen.
Punkt 6, der fehlt, ist daher der simple Ventilator (von Klimaanlagen, die die warme Luft nach außen abführen, natürlich ganz zu schweigen). Er erhöht die Verdunstung auf unserer Haut deutlich – und Schwitzen ist eben die evolutionär entwickelte Kühltechnik für den Menschen (während z.B. Hunde für das gleiche Prinzip Zunge, Speichel und schnelle Atemzüge nutzen). Und auch ohne Schwitzen sorgt der Ventilator für Abkühlung durch einen besseren Wärmefluss vom Körper zur Umgebungsluft – solange diese noch kühler als unsere Körpertemperatur ist.
Die Angst vorm Ventilator („gefährliche Zugluft“) ist – da imuss man Kachelmann zuzustimmen – ein verbreiteter Aberglaube.
Während heute Züge „evakuiert“ werden müssen, wenn die Klimaanlage ausfällt, hat man früher einfach die Fenster geöffnet, und die kräftige – doppelsinnige – „Zugluft“ ließ einen auch bei großer Hitze überleben.
Da auch im Jahr 2026 kaum ein Pflegeheim oder Krankenhaus in Deutschland klimatisiert wird, ist ein Ventilator für Patienten/ Bewohner das effektivste Mittel gegen einen Wärmestau im Körper.