>Einen Tag später erscheint das Gespräch, das Berndt mit der Politikchefin der Berliner Zeitung geführt hat. »Streitgespräch: Ich stelle Hauptstadt-Journalistin zur Rede«, steht darüber. Das Gespräch ist nett, nicht unbedingt interessant, es geht viel um Berndts Gefühle wegen des Artikels, den sie geschrieben hat. Aber es ist vor allem eins nicht: ein Streitgespräch. Das Video hat trotzdem auf YouTube fast 900.000 Aufrufe. Für Berndt eine gute Zahl.<
So endet ein ‚Zeit‘-Portrait über den Podcast-Host von „Ben ungeskriptet“, das im Vorspann verspricht: „Ein Arbeitstag mit Benjamin Berndt.“
Ab wieviel Meinungsverschiedenheit die Bezeichnung „Streitgespräch“ gerechtfertigt ist, wird man diskutieren können – zumal wenn man berücksichtigt, dass Benjamin Berndt in seinem Format nun gerade nicht den sonst so üblichen Krawall mit seinen Gästen führt.
Nicht diskutieren kann man hingegen, dass dieses ‚Zeit‘-Portrait keinen „Arbeitstag mit Benjamin Berndt“ zeigt.
>Am Nachmittag will er mit Kai Diekmann sprechen, Medienunternehmer und Ex-Bild-Chef. Vormittags hat er „Milliarden-Mike“ interviewt, Deutschlands bekanntesten Hochstapler, verurteilt wegen zahlreicher Vermögensdelikte.<<
Das ist alles, was man zu diesen beiden wohl relevantesten Einheiten des Arbeitstags erfährt. Keinerlei Beobachtung „hinter den Kulissen“, nichts zu Vor- und Nachgesprächen.
Berndts Vorbereitung auf einen Gast soll 15 Minuten dauern. Wenn er zwei Gäste am Tag abfrühstückt und vier pro Woche hat – was macht er dann die übrige Zeit? Geld zählen? Oder dauert sein Mittagessen so lange – neben der „wöchentlichen Teamkonferenz“ direkt im Anschluss die einzige Tagessequenz, die aus eigenem Erleben vor Ort geschildert wird.
Das Porträt ist nett, nicht unbedingt interessant, es geht viel um Gefühle der Autorin. Aber es ist vor allem eins nicht: das Porträt eines Arbeitstags.
