Lesebeute: Zu wenig Krawall am 1. Mai

  • “Mehr als pflichtschuldig scannt die Redaktion den ganzen 1. Mai über das Geschehen. Klar, an einem nachrichtenarmen Feiertag gibt es nicht viele andere Themen. Doch an diesem Tag führt Spiegel Online seine Leser in die Irre: dadurch, dass ein absolutes, dazu noch regionales, B-Thema hochgejazzt wird und die Berichterstattung eine falsche Tendenz bekommt.” Die Klickhuren-Kritiker vom “Werkkanon” finden schon wieder was bei SpOn daneben – und nicht nur eine Geschichte: “Ein klassischer Teaser, wie er sich eingebürgert hat – Appetithäppchen hinwerfen, auf Reizwörter setzen (Randale), reißerisch ans (spröde) Thema rangehen. Am Ende der umgeschriebenen und – gemessen am Teaser – aufgeblasenen Agenturmeldung steht dann übrigens, dass es in diesem Jahr viel friedlicher war als sonst.”
  • Gabor Steingarts SpOn-Werbung fürs neue Buch “Weltkrieg um Wohlstand” kritisiert ausführlich der spiegelfechter.
  • Stefan Reinecke (taz) hat der Spiegel-Titel “Mekka Deutschland” nicht so doll gefallen. “Erst Flüchtlinge, dann Ausländern, jetzt Muslime. Immer geht es gegen die Fremden, die Anderen, die uns irgendwie bedrohen. So ändern sich die Feindbilder und bleiben sich doch gleich.” Schön auch seine Interpretation: “Die Republik schläft – nur die Spiegel-Redaktion wacht und eilt zur Alarmglocke, um die schlafmützigen Liberalen aufzuwecken, ehe die Muslime vollends die Macht im Staate übernommen haben.”

  • Die vom Spiegel ausgemachte Islamisierung Deutschlands war natürlich auch in einigen Blogs Thema. Der Pantoffelpunk hat dazu auch gleich ein eigenes Cover entworfen.
  • Eine unstrittige Anforderung an Journalismus ist “Vollständigkeit”: Wer mit der Berichterstattung zu einem Thema anfängt, kann nicht nach Belieben zum nächsten hüpfen und seine Leser mit unvollständigen und daher ggf. falschen Meldungen sitzen lassen. Passiert aber immer wieder, vor allem online. Die jungeWelt kritisiert es am Beispiel der unvollständigen SpOn-Berichterstattung über die Festnahme vermeintlicher irakischer Terroristen in Griechenland.
  • Dass es eine Aufgabe des Journalismus sein könnte, nicht nur beliebige Häppchen zu servieren, sondern ein Thema auch mal rund zu machen, meint wohl auch Chat Atkins, wenn er auf SpOn zeitgleich von der “Todeszone des Klimawandels” und vom Märchen Klimakatastrophe liest.
  • Als eine Art Leserbrief sei auf Albrecht Müllers Kritik am Spiegel-Artikel “Wirtschaftswunder 2.0” (23. April 2007) verwiesen.
  • 1 Antwort zu “Lesebeute: Zu wenig Krawall am 1. Mai”

    1. Tja, der 1. Mai in Berlin und seine Krawalle.
      Ich war dabei – könnte ich singen oder auch einfach nur so sagen. Und von meiner Wohnung aus, bekomme ich sogar noch den gröbsten Krach hautnah und live mit. Mein Fazit: laut und voll aber irgendwie ohne Krawalle.

      Am Nachmittag gab es ein großes Volksfest und mehrere friedliche Demos. Am Abend füllten sich die Straßen rund um den berüchtigten Oranienplatz und die Oranienstraße. Die Menschen wollten nur Musik hören, etwas essen und sich unterhalten.
      So wie ich es mitbekommen habe, brannte sage und schreibe eine einzige Mülltonne. Diese wurde aber gleich zum Anlass genommen, die Krawalle künstlich auf zu blasen. Natürlich waren etliche Jugendliche betrunken und wollten randalieren. Diese Sorte Mensch wird es immer geben. Doch ehrlich gesagt, war der 1. Mai in Kreuzberg so friedlich wie vor 20 Jahren nicht mehr.

      Manchmal können die Medien ganz schön die Wirklichkeit verdrehen. Und (fast) keiner merkt es.

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