Schlagwort-Archiv: Medium: Bild-Zeitung

Rote 14 mehr als schwarze 16 (Korinthe 94)

Aus der CDU (wie auch vereinzelt aus den Bündnis-Grünen) wird derzeit ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren gefordert. Die SPD hat nun laut Medienberichten ein Verbot für Unter-14-Jährige vorgeschlagen. Was die „Bild“ zu folgender Einordnung führt:

>Das Thema Social-Media-Verbot ist nicht neu: Anfang Februar hatte die CDU mit einem Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren ernstgemacht und einen entsprechenden Antrag vorgelegt. Der soll auf dem CDU-Parteitag am 20. und 21. Februar diskutiert werden. Jetzt legt die SPD noch zwei Verbotsjahre drauf.< (Bild, 16.02.2026, 9:20 Uhr)

Mathematisch korrekt kann man den SPD-Vorschlag natürlich als Addition („aufschlagen“) ausdrücken – allerdings mit „16 + (–2)“.

Denn wenn die SPD ein Total-Verbot bis 13, die CDU ein Total-Verbot bis 15 fordert, dann liegen bei wem „noch zwei Verbotsjahre drauf“?


PS: Für mangelnde redaktionelle Checks sprechen auch kleine Formfehler wie dieser:

>In Australien sind Plattformen wie TikTok, X, Instagram, YouTube oder Twitch seit Dezember untersagt, Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren Konten zu gestatten.<

 

Eine Razzia am Morgen vertreibt …

Was ist die wesentliche Nachricht, wenn Polizei und Staatsanwaltschaft das Wohnhaus eines Prominenten durchsucht haben? Dass einfach irgendwas beim Promi los ist und man mit dem Namen Neugierde wecken kann? Dass die vorangegangene mediale Skandalisierung medial erntebare Früchte trägt und sich die bisherige Verdachtsberichterstattung bewährt? Oder dass die Unverletzlichkeit der Wohnung stets nur so lange gilt, bis von Social- oder Nachrichtenmedien etwas beanstandet wird? Weiterlesen

Spekulativer Nachrichtenwert

Medien wählen ihre Themen nach deren „Nachrichtenwert“ aus. Dass dieser Nachrichtenwert keineswegs automatisch etwas mit Qualitätskriterien zu tun hat, ist bekannt und in der Medienforschung anerkannt (z.B. Neuberger/ Kapern 2013: 136). Aktuell eindrückliches Beispiel: die Verdachtsberichterstattung über BILD-Chefredakteur Julian Reichelt. Ausgehend von einem SPIEGEL-Bericht plappern alle Medien nach, was dort sehr schwammig steht, und der typische Verdachtsfall Twitter bestätigt alles, was man an Häme von namhaften Journalisten erwarten darf. Weiterlesen

BILD-Referendum: nicht unjournalistisch

bild-referendum

Michael Konken, dem Bundesvorsitzenden der Journalisten-Lobby DJV, ist zuzustimmen, wenn er die BILD-Berichterstattung zu den Schulden Griechenlands kritisiert – was nun wirklich nicht schwer ist, schließlich führen viele BILD-Kampagnen schlicht zum Brechreiz, aber gesagt ist dazu schon alles.

Die Aufregung konkret aber über das „BILD-Referendum“ ist nicht nachvollziehbar. Sie speist sich ganz offensichtlich nur aus der Angst vor dem Ergebnis. Auszug aus der Pressemitteilung:

Der Deutsche Journalisten-Verband fordert die BILD-Zeitung auf, ihr so genanntes „Referendum“ zur Griechenland-Unterstützung zu stoppen.
Sowohl in der gedruckten Zeitung als auch online bittet die Zeitung ihre Leser, darüber abzustimmen, ob Deutschland Griechenland weiterhin mit Geld unterstützen soll. Chefredakteur Kai Diekmann sagt dabei in dem Video-Format Daily auf Bild.de ganz unverhohlen, dass er damit rechnet, dass die Leser mit Nein stimmen werden. Dies sei dann auch ein Zeichen für die Mitglieder des Deutschen Bundestags, die im Herbst unter Umständen erneut über weitere Hilfszahlungen abstimmen müssen.
„Diekmann entfernt sich damit zum wiederholten Mal von seinem Auftrag als Journalist und macht selber Politik. Das ist nicht seine Aufgabe. Journalisten sollen Informationen anbieten, einordnen und erklären“, sagt Michael Konken, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes.

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Strafanzeigen haben keine journalistische Relevanz

Immer wieder vermelden Journalisten, jemand habe gegen eine andere Person eine Strafanzeige erstattet. Das mag zwar faktisch richtig sein (überprüft wird es selten, in der Regel reicht die Behauptung oder auch nur Ankündigung des (künftigen) Anzeigenerstatters), aber es ist keine Nachricht. Warum?

+ Weil mit der Vermeldung einer Strafanzeige stets der Eindruck erweckt wird, es läge auch ein strafbares Verhalten vor oder wenigstens der Verdacht. Das muss aber gar nicht der Fall sein. Eine Strafanzeige ist zunächst nicht mehr als der Antrag an die Staatsanwaltschaft, eine Sache auf ihre strafrechtliche Relevanz hin zu überprüfen. Eine Strafanzeige kann jeder jederzeit stellen, auch anonym. Weiterlesen

Axel Springers ewige Rache

Es ist ja komplett zwecklos, sich über das aufzuregen, was die Bild-Zeitung in weiten Teilen macht, was mit Sicherheit kein Journalismus ist, auch wenn ersiees Fragen stellt, und was mit ebensolcher Sicherheit kein Stammtischpalaver ist, weil dafür der kreative Suff fehlt, aber manchmal muss man halt doch kurz aufschreien, und dann etwa der völlige Hirnlosigkeit bezeugenden Frage „Darf ein Knast so kuschelig sein?“ einfach einen Tucholsky ins Blatt göbeln:

„Es gibt kein staatliches Recht des Strafens. Es gibt nur das Recht der Gesellschaft, sich gegen Menschen, die ihre Ordnung gefährden, zu sichern. Alles andere ist Sadismus, Klassenkampf, dummdreiste Anmaßung göttlichen Wesens, tiefste Ungerechtigkeit.“ (Kurt Tucholsky: Deutsche Richter)

Lesebeute: Spiegel ohne Hitler-Titel

Spiegel-Online expandiert weiter und will neue Mitarbeiter einstellen – für „mehr Reportagen und mehr Hintergrund, mehr Meinung und mehr Originalität“.Martin Eiermann hält es da mehr mit Jeff Jarvis (dem er unnötigerweise als Guru huldigt): „Do what you do best, and link to the rest.“

Das bedeutet im Fall des Boulevards ganz konkret, Axel Springer einfach mal machen zu lassen. Angst, Hass, Titten und den Wetterbericht gibt es seit 1952 bei der BILD und in den zahllosen anderen Blättchen, die den deutschen Kiosken Geld in die Kassen und den deutschen Kioskblattlesern Unsinn zwischen die Ohren spülen. SPON kann sich mühen und winden – das Race to the Bottom wird Hamburg nicht gewinnen. (Mehr bei: The European)

Gewinner des Tages: BILD (jetzt mit Humor)

Dass Axel Springer vor vier Jahren gegen einen netten Werbespot der taz gerichtlich vorgegangen ist – und damit auch bisher erfolgreich war – ist eine Dummheit gewesen. Wie Bild.de nun aber darüber berichtet, sogar mit kompletter youtube-Einbettung des taz-Werbespots, das ist: vorbildlich.