Pressekodex-widriges Interview bei Nius? Übermedien vergaloppiert sich

Das Medienmagazin Übermedien meint, ein Video-Interview auf Nius als Nicht-Journalismus entlarvt zu haben. Tatsächlich sei es Propaganda. Da Interviews eher selten Gegenstand der Qualitätsdebatte sind, lohnt sich ein genauerer Blick, zumal die für Nius zuständige Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg aufgrund einer Übermedien-Anfrage eine Prüfung des Beitrags angekündigt hat.

Die Kernaussagen des Übermedien-Artikels von Redakteurin Annika Schneider laut Teaser:

>Bei „Nius“ darf ein Bundespolizist minutenlang krude Thesen über Migranten verbreiten. Das Interview verstößt nicht nur gegen jeden Anstand, sondern auch gegen den Pressekodex. Und es zeigt, warum „Nius“-Beiträge zwar wie Journalismus rüberkommen, aber einfachste journalistische Standards unterlaufen.< (Übermedien)

Weiterlesen

Rote 14 mehr als schwarze 16 (Korinthe 94)

Aus der CDU (wie auch vereinzelt aus den Bündnis-Grünen) wird derzeit ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren gefordert. Die SPD hat nun laut Medienberichten ein Verbot für Unter-14-Jährige vorgeschlagen. Was die „Bild“ zu folgender Einordnung führt:

>Das Thema Social-Media-Verbot ist nicht neu: Anfang Februar hatte die CDU mit einem Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren ernstgemacht und einen entsprechenden Antrag vorgelegt. Der soll auf dem CDU-Parteitag am 20. und 21. Februar diskutiert werden. Jetzt legt die SPD noch zwei Verbotsjahre drauf.< (Bild, 16.02.2026, 9:20 Uhr)

Mathematisch korrekt kann man den SPD-Vorschlag natürlich als Addition („aufschlagen“) ausdrücken – allerdings mit „16 + (–2)“.

Denn wenn die SPD ein Total-Verbot bis 13, die CDU ein Total-Verbot bis 15 fordert, dann liegen bei wem „noch zwei Verbotsjahre drauf“?


PS: Für mangelnde redaktionelle Checks sprechen auch kleine Formfehler wie dieser:

>In Australien sind Plattformen wie TikTok, X, Instagram, YouTube oder Twitch seit Dezember untersagt, Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren Konten zu gestatten.<

 

Pressefreiheit und Persönlichkeitsrechte

Persönlichkeitsrechte und Pressefreiheit kollidieren oft. Noch bevor ggf. Gerichte entscheiden, können von Berichterstattung Betroffene aktiv werden, zunehmend sogar prophylaktisch. Ein Archivtext mit Tipps für Journalisten und einem Interview mit Udo Branahl, damals noch Professor für Medienrecht in Dortmund. Weiterlesen

Sprachkritik: kaufen vs. bestellen

Die juristischen Finessen lassen wir hier mal außer Acht, wenn es darum geht, dass in der Betreffzeile eines SZ-Newsletters steht „Ukraine kauft ‚Rafale‘-Jets“, während es in der Überschrift des Textes heißt: „Die Ukraine bestellt große Menge französischer Kampfjets“. Weiterlesen

Ente auf Trottoir: Kein Tempolimit für Fußgänger

Eine Meldung, die sich nur wenige Medien entgehen lassen wollten: Die Slowakei führt ein Tempolimit für Fußgänger ein.

>Während in Deutschland über ein Tempolimit auf Autobahnen diskutiert wird, geht die Slowakei noch viel weiter: Dort müssen sich künftig auch Fußgänger an eine Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Das sieht eine Novelle des Verkehrsgesetzes vor, die das Parlament in Bratislava am Dienstagnachmittag beschloss. Demnach darf man sich künftig auf Gehwegen im Ortsgebiet nicht schneller als mit sechs Kilometern pro Stunde fortbewegen. Das Gesetz tritt mit 1. Januar 2026 in Kraft.< (Spiegel, archivierte Version)

Weiterlesen

Medienjournalismus: Querverweise

Medienkolumne bei TP: Über einen ignorierten Rüffel des Bundesverfassungsgerichts (Beschlagnahme von Smartphones als vorgezogene Strafe) und „Kebab vom bayerischen Wurstfresser – Ungereimtheiten bei der perfekten Aufregung“ (Überschrift mehrfach geändert).

Politisches Feuilleton (DLFK): Bürgergelddebatte – Der fragwürdige Umgang der Medien mit Studien

.

 

Nebelkerze Richtigkeit?

Es sind oft die kleinen Ungenauigkeiten, die auf Qualitätsmängel im Journalismus hindeuten. So wie diese Zusammenfassung im Newsletter der Süddeutschen Zeitung (SZ) von heute Morgen:

„Zuvor hatte das Berliner Verwaltungsgericht die von ihm angeordneten Zurückweisungen Asylsuchender an den deutschen Grenzen als rechtswidrig eingestuft.“

Im zugehörigen Ticker steht es zwar korrekt: Weiterlesen

Recherche zu Recherche blockierenden Journalisten

Alle Journalisten kennen es, dass auf ihre Presseanfragen (zunächst) keine Antwort erfolgt. Und diese Anfragen sollen ja heute fast immer per E-Mail kommen (versucht man es doch per Telefon wie in den „guten alten Zeiten“, wird man genau auf diesen Weg verwiesen – direkte Gespräche gibt es zumindest im Erstkontakt kaum noch).

Bei auskunftspflichtigen Stellen, namentlich Behörden, ist dies besonders ärgerlich – eine Beantwortung könnte hier ggf. eingeklagt werden, für aktuelle Berichterstattung ist das jedoch sinnlos, weshalb es auch nur wenige Urteile und Beschlüsse dazu gibt.

Aber auch von nicht auskunftspflichtigen Stellen wollen wir Antworten auf unsere Fragen haben.

Als Medienjournalist erlebt man allerdings, dass ausgerechnet die eigene Zunft hier sehr – und m.E. überdurchschnittlich – zurückhaltend ist. Wir haben keinen Auskunftsanspruch gegenüber Verlagen, bei öffentlich-rechtlichen Sendern nur zu einem sehr kleinen Themenbereich (nämlich Teilen seiner Finanzierung). Und einzelne Journalisten müssen natürlich auch keine Fragen beantworten. Weiterlesen