Erregung über Erregung (und hier dann auch noch)

„Es wandert niemand in unsere Sozialsysteme ein.“ Dieser Satz von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas im Bundestag hatte es – vor allem mit Reaktionen darauf – in die Tagesthemen vom 7. Mai 2026 geschafft (Video, ab 4:57).

Bei Übermedien kritisiert daran Johanna Bernklau am 13. Mai, dass im ARD-Beitrag auch ein 5-Sekunden-Ausschnitt einer Sendung von Nius gezeigt wurde. Weiterlesen

ZDF-Korrekturen: Keine Programmbeschwerde möglich

Der ZDF-Fernsehrat hat eine Programmbeschwerde zum Telemedienangebot des Senders nicht zur Beratung angenommen. Im Zusammenhang mit der im heute journal am 15. Februar 2026 verwendeten Sequenz eines von Künstlicher Intelligenz (KI) generierten Videos wurde die folgende Behauptung auf der Korrekturenseite des Senders gerügt:

>In einem Beitrag des heute journal vom 15. Februar 2026 hätten KI-generierte Bilder gekennzeichnet werden müssen. Diese Kennzeichnung wurde bei der Überspielung des Beitrags aus technischen Gründen nicht übertragen.<

Nach späteren Darstellungen des ZDF und der Abberufung der Autorin vom Studio in New York ist jedoch mitnichten eine vorhandene Kennzeichnung „bei der Überspielung des Beitrags“ verloren gegangen – es gab sie nie. Weiterlesen

Medienjournalismus: Querverweise (2)

Buckelwal Timmy: Viele Medien diagnostizieren eine Spaltung der Gesellschaft, fühlen sich durch die Proteste Pro-Rettung des gestrandeten Tiers an Coronaleugner erinnert; mal wieder wird ein Konflikt zwischen Unvernunft und Wissenschaft gesehen. Dabei gab es in dieser Tragödie nur verschiedene Meinungen – eigentlich völlig normal für eine demokratische Gesellschaft. Essay, 5 Minuten, erschienen bei Deutschlandfunk Kultur Zeitfragen.

Kriminalitätsberichterstattung in den Medien: Anlässlich der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2025 wird mal wieder diskutiert, ob und ggf. wann und wie die Nationalität von Tatverdächtigen genannt werden darf oder soll. Telepolis.

Verdachtsberichterstattung: a) Fall Fernandes/Ulmen: Warum Promi-Namen Verdachtsberichterstattung verzerren.
b) Strafanzeigen haben keine journalistische Relevanz (Hintergrund, SpKr)

Beim Zweiten schläft man fester

Beim Versuch, das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) telefonisch zu erreichen, gab es heute 40 Minuten lang die immer wiederkehrenden Hinweise auf das aktuelle Angebot dieses Senders. Nach Werbung für ZDF, ZDF Neo und Mediathek heißt es in der aktuellen Ansage, die von der akustischen Qualität an Schülerstreiche vor 40 Jahren erinnert:

Jederzeit gut informiert mit heute.de oder interaktiv über Facebook und Twitter. Mit dem Zweiten sieht man besser – ZDF, please hold the line.

Weiterlesen

Pressekodex-widriges Interview bei Nius? Übermedien vergaloppiert sich

Das Medienmagazin Übermedien meint, ein Video-Interview auf Nius als Nicht-Journalismus entlarvt zu haben. Tatsächlich sei es Propaganda. Da Interviews eher selten Gegenstand der Qualitätsdebatte sind, lohnt sich ein genauerer Blick, zumal die für Nius zuständige Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg aufgrund einer Übermedien-Anfrage eine Prüfung des Beitrags angekündigt hat.

Die Kernaussagen des Übermedien-Artikels von Redakteurin Annika Schneider laut Teaser:

>Bei „Nius“ darf ein Bundespolizist minutenlang krude Thesen über Migranten verbreiten. Das Interview verstößt nicht nur gegen jeden Anstand, sondern auch gegen den Pressekodex. Und es zeigt, warum „Nius“-Beiträge zwar wie Journalismus rüberkommen, aber einfachste journalistische Standards unterlaufen.< (Übermedien)

Weiterlesen

Rote 14 mehr als schwarze 16 (Korinthe 94)

Aus der CDU (wie auch vereinzelt aus den Bündnis-Grünen) wird derzeit ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren gefordert. Die SPD hat nun laut Medienberichten ein Verbot für Unter-14-Jährige vorgeschlagen. Was die „Bild“ zu folgender Einordnung führt:

>Das Thema Social-Media-Verbot ist nicht neu: Anfang Februar hatte die CDU mit einem Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren ernstgemacht und einen entsprechenden Antrag vorgelegt. Der soll auf dem CDU-Parteitag am 20. und 21. Februar diskutiert werden. Jetzt legt die SPD noch zwei Verbotsjahre drauf.< (Bild, 16.02.2026, 9:20 Uhr)

Mathematisch korrekt kann man den SPD-Vorschlag natürlich als Addition („aufschlagen“) ausdrücken – allerdings mit „16 + (–2)“.

Denn wenn die SPD ein Total-Verbot bis 13, die CDU ein Total-Verbot bis 15 fordert, dann liegen bei wem „noch zwei Verbotsjahre drauf“?


PS: Für mangelnde redaktionelle Checks sprechen auch kleine Formfehler wie dieser:

>In Australien sind Plattformen wie TikTok, X, Instagram, YouTube oder Twitch seit Dezember untersagt, Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren Konten zu gestatten.<

 

Pressefreiheit und Persönlichkeitsrechte

Persönlichkeitsrechte und Pressefreiheit kollidieren oft. Noch bevor ggf. Gerichte entscheiden, können von Berichterstattung Betroffene aktiv werden, zunehmend sogar prophylaktisch. Ein Archivtext mit Tipps für Journalisten und einem Interview mit Udo Branahl, damals noch Professor für Medienrecht in Dortmund. Weiterlesen

Sprachkritik: kaufen vs. bestellen

Die juristischen Finessen lassen wir hier mal außer Acht, wenn es darum geht, dass in der Betreffzeile eines SZ-Newsletters steht „Ukraine kauft ‚Rafale‘-Jets“, während es in der Überschrift des Textes heißt: „Die Ukraine bestellt große Menge französischer Kampfjets“. Weiterlesen

Ente auf Trottoir: Kein Tempolimit für Fußgänger

Eine Meldung, die sich nur wenige Medien entgehen lassen wollten: Die Slowakei führt ein Tempolimit für Fußgänger ein.

>Während in Deutschland über ein Tempolimit auf Autobahnen diskutiert wird, geht die Slowakei noch viel weiter: Dort müssen sich künftig auch Fußgänger an eine Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Das sieht eine Novelle des Verkehrsgesetzes vor, die das Parlament in Bratislava am Dienstagnachmittag beschloss. Demnach darf man sich künftig auf Gehwegen im Ortsgebiet nicht schneller als mit sechs Kilometern pro Stunde fortbewegen. Das Gesetz tritt mit 1. Januar 2026 in Kraft.< (Spiegel, archivierte Version)

Weiterlesen

Medienjournalismus: Querverweise

Medienkolumne bei TP: Über einen ignorierten Rüffel des Bundesverfassungsgerichts (Beschlagnahme von Smartphones als vorgezogene Strafe) und „Kebab vom bayerischen Wurstfresser – Ungereimtheiten bei der perfekten Aufregung“ (Überschrift mehrfach geändert).

Politisches Feuilleton (DLFK): Bürgergelddebatte – Der fragwürdige Umgang der Medien mit Studien

.