Archiv des Autors: Helgoländer Vorbote

Ente auf Trottoir: Kein Tempolimit für Fußgänger

Eine Meldung, die sich nur wenige Medien entgehen lassen wollten: Die Slowakei führt ein Tempolimit für Fußgänger ein.

>Während in Deutschland über ein Tempolimit auf Autobahnen diskutiert wird, geht die Slowakei noch viel weiter: Dort müssen sich künftig auch Fußgänger an eine Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Das sieht eine Novelle des Verkehrsgesetzes vor, die das Parlament in Bratislava am Dienstagnachmittag beschloss. Demnach darf man sich künftig auf Gehwegen im Ortsgebiet nicht schneller als mit sechs Kilometern pro Stunde fortbewegen. Das Gesetz tritt mit 1. Januar 2026 in Kraft.< (Spiegel, archivierte Version)

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Die Suche nach der Suche

Ein zentrales Problem der Gegenwart ist die mit der Digitalisierung einhergehende Macht der Programmierer (oder Entwickler). Wir können keine Spülmaschine starten, keine Steuererklärung abgeben, keinen GKV-versicherten Arztbesuch machen, ohne von Launen, Hybris und Spieltrieb der Programmierer abhängig zu sein. Am simplen Beispiel Spülmaschine verdeutlicht: so ein Ding ist an Primitivität kaum zu überbieten. Es propellert Wasser durch den Spülraum, das dabei mehrmals gewechselt, erhitzt und mit Geschirrreiniger versehen werden kann. Am Ende können die für die Wassererwärmung vorgesehenen Heizstäbe noch für die Trocknung genutzt werden. Was also will der Spülmaschinenbesitzer steuern? Genau diese Parameter: Länge des Reinigungsvorgangs, Anzahl der Wasserwechsel und Temperatur des Spülwassers. Dafür kann man drei oder vier Schalter anbieten, und es ist jede Kombination möglich. Sobald aber ein Programmierer seine Finger anlegt, ist es damit vorbei. Nun werden Programme ersonnen, die bestimmte Einstellungen festgelegt und unabänderlich kombinieren. Darin besteht nun absolut kein Vorteil, es ist ausschließlich eine Reduktion von Möglichkeiten. Auf eine Frage nach solch speziellen Kombinationsmöglichkeiten bei der Heizung sagte der Heizungsfachmann wörtlich: „Das geht nicht, Sie sollen da auch gar nichts dran machen, das ist eine intelligente Heizungsanlage, die macht das schon alles optimal.“ Wer noch einen Rest Würde besitzt verbittet sich natürlich, eine Heizung „intelligent“ zu nennen. Weiterlesen

Eine Razzia am Morgen vertreibt …

Was ist die wesentliche Nachricht, wenn Polizei und Staatsanwaltschaft das Wohnhaus eines Prominenten durchsucht haben? Dass einfach irgendwas beim Promi los ist und man mit dem Namen Neugierde wecken kann? Dass die vorangegangene mediale Skandalisierung medial erntebare Früchte trägt und sich die bisherige Verdachtsberichterstattung bewährt? Oder dass die Unverletzlichkeit der Wohnung stets nur so lange gilt, bis von Social- oder Nachrichtenmedien etwas beanstandet wird? Weiterlesen

Affenpocken-Simsalabim

Der Berliner Tagesspiegel verlängert seine tägliche Todesangst professionell von Corona zu den  Affenpocken, die zweieinhalb Jahre erprobten Echauffageroutinen können 1:1 übernommen werden. In der kleinen Meldung aus dem heutigen Newsletter „Checkpoint“ steckt schon viel Verheißungsvolles.

1. Die Guten sind schon ausgemacht. Aus denen, die nach einer Affenpocken-Impfung fragen, die also aus welch rationalen oder irrationalen Gründen Angst um ihre Gesundheit haben, werden vorausschauend die „Impfwilligen„, die ihre solidarische „Bereitschaft“ zur Spritze erklären. Nicht sie wollen etwas von der Allgemeinheit, sondern sie tun etwas für diese (die den Arsch noch nicht hoch kriegt, sondern ihn offenbar besonders fest auf irgendwelche Unterlagen drückt). Die Pockenleugner schlummern zwar noch im Redaktionssystem, aber sie sind tastaturklar. Weiterlesen

Lang lebe die Bedienungsanweisung

Das Internet ist voll mit veralteten (oder nie zutreffend gewesenen) Anleitungen. Beim Spiegel hat den letzten, unverständlicherweise gefeierten Relaunch zwar die Anleitung überlebt, wie man Seiten mit der Funktion „drucken“  drucken kann – allein die Funktion selbst ist ausgelauncht worden, die Standard-Druckfunktion des Browsers schneidet Textteile ab.
Aber was wäre auch ein Relaunch oder Update, ohne dass Basisfunktionen verschwänden? Praktischerweise erscheinen beim Spiegel solche Texte auch ganz ohne Publikationsdatum – damit sind sie besser gewappnet für die Ewigkeit.

Alexander der große Verbrecher

Eine Stunde „was mit History“ bei Deutschlandfunk Nova – und es war wie einst im Schulunterricht, wo die Heldentaten der großen Herrscher mit Jahreszahlen verbunden wurden. Die Sendung vom 11. Oktober feierte Alexander den Großen als großen „Feldherrn“. Man muss sicherlich nicht jeden Deppen bei jeder Erwähnung einen Deppen nennen, den Rechtsextremen nicht immer Nazi – aber wenigsten ein paar nüchterne Zahlen hätten doch geholfen, im großen Feldherren wenigstens auch den grandiosen Verbrecher zu sehen: Wie viele Menschen haben er und seine Soldaten ermordet, verstümmelt, traumatisiert, vergewaltigt, geplündert? Wie viele Soldaten sind für seinen Größenwahn gestorben, verletzt oder traumatisiert worden? War das alles – aus heutiger Sicht – mit irgendwas zu rechtfertigen, oder gehört es nicht einfach in die Reihe, die wir eben im Geschichtsunterricht rauf und runter  gelernt haben: Herrscher, die ihre Ballerspiele analog und im First Life genossen? Weiterlesen

Kluger Kopf komm’n’ziert nicht gern (Korinthe 92)

Während Spiegel-Online auf einen Fehler unterhalb der Eklat-Schwelle, immens beschäftigt mit der Qualitätssicherung am Beginn der Post-Relotius-Ära, erst gar nicht reagiert, nehmen Kollegen der FAZ doch schon am Folgetag das Gelächter über einen Bockschuss des Hauses zur Kenntnis. Was zum Social-Media-Sendungskonzept aber auch dort nicht gehört: irgendwie mit der Community zu kommunizieren, die man sich dort an die Hacken gebunden hat.

Auf 20:42 Uhr am Samstag (3. August 2019) ist ein FAZ-Plus-Artikel datiert, der Alexander Dobrindt als Verkehrsminister ausgibt.

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Korinthe (91): Gevatter Kroetz

Wozu den Lesern einst unmittelbare Kommentarmöglichkeiten gegeben wurden, weiß der Henker, vermutlich einfach nur, weil da plötzlich jene Technik war. Mit Kommunikation hat diese  „Interaktivität“  jedenfalls nichts zu schaffen, Redakteure bleiben von allen Communitydebatten ungerüht.
Wozu Online-Medien überhaupt Dinge schreiben, fragt man sich weitergehend stets, wenn einen der Verdacht beschleicht, selbst die Mitarbeiter der eigenen Firma interessierten sich nicht die Bohne dafür. Tagelang, wochenlang, für Jahre und Ewigkeiten steht irgendein Nonsens als Netzjournalismus rum, ohne dass es irgendwen kümmert (Beispiel unten). Weiterlesen