Viele Journalisten können Tatsachen und Meinungen nicht unterscheiden. Das thematisieren wir immer wieder hier im Blog, weil es immense Auswirkungen hat. Um ein Beispiel aus dem vielfältigen Versagen bei der Corona-Berichterstattung zu nennen (genauer eben: bei der Recherche): In vielen Beiträgen findet sich die Angabe, wieviele oder dass einzelne Menschen aufgrund ihrer schweren Covid-19-Erkrankung “beatmet werden müssen“. Die Beatmung selbst ist ein Fakt, ihre Notwendigkeit hingegen eine Meinung. Auch wenn es umständlicher klingt, ist die einzig richtige Formulierung: Menschen werden beatmet (bzw. ihre Ärzte glauben, dass eine Beatmung notwendig sei). Wer aber nicht erkennt, dass die Entscheidung für die Beatmung eine Meinung und kein Faktum ist, der kann das genau in dieser Meinung möglicherweise liegende Problem gar nicht recherchieren. Weiterlesen
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Autopsie: Die harsche Kritik an Relotius-Enthüller Juan Moreno
Die ZEIT hat mit einem kritischen Beitrag über das Buch “1000 Zeilen Lüge” von Juan Moreno die Relotius-Story neu auf die Tagesordnung gesetzt, der Medienjournalismus ist gut damit beschäftigt. Es geht um den hehren Anspruch des “Qualitätsjournalismus”, aufgehängt an verschiedenen Aspekten der “Richtigkeit”. Da bietet es sich an, den Ausgangsartikel selbst auf seine journalistische Akkuratesse hin zu untersuchen. Diese hier lose erscheinenden Autopsien sind als Fragestellung und Einladung zum Gespräch zu verstehen, nicht als Besserwisserei. Aus Gründen des Urheberrechts sind aus dem ZEIT-Artikel natürlich nur die notwendigen Passagen zitiert.
Autopsie: “Diskriminierung an Berliner Schulen verdoppelt”
„Die am weitesten verbreitete Manipulation ist nicht das Hinzuerfinden, sondern das Weglassen”, sagte Brigitte Fehrle kürzlich dem “journalist“, als eine der Erkenntnisse aus ihrer Arbeit in der Relotius-Aufklärungskommission des SPIEGEL Aus unserer langjährigen medienjournalistischen Arbeit können wir bestätigen: der vorsätzliche Fake ist das geringste Problem der Presse. Schauen wir uns daher in unserer losen Autopsie-Serie einen eher belanglos wirkenden Beitrag von Spiegel-Online (SpOn) an:
Medienkritik – eine empirische Sammlung
In unserem kleinen Blog Spiegelkritik beschäftigen wir uns seit März 2006 letztlich immer mit der Qualität journalistischer Beiträge. “Richtigkeit” war dabei stets nur eines von vielen Kriterien, ebenso haben wir Fragen der Relevanz, der Vollständigkeit, Unabhängigkeit, Transparenz, Rechtmäßigkeit und vielem mehr nachgespürt und Überlegungen zur Diskussion gestellt.
Derzeit experimentieren wir, Medienkritik etwas systematischer an einzelnen Beiträgen zu üben. Dazu schauen wir uns einzelne Werke sehr genau unter verschiedenen Qualitätsaspekten an. Ausgangspunkt dafür ist meist bereits publizierte Medienkritik. Es soll gerade nicht um Dogmatik gehen, wie so oft in “Watchblogs”, sondern um Empirie, einen winzigen Beitrag zur Medienforschung. Weiterlesen
Deutsche Presseagentur meinungsschwanger? (Autopsie)
Wieviel Nachricht und wieviel Meinung steckt in der deutschen Berichterstattung über die US-Präsidentenwahl? Damit werden sich bestimmt im Nachhinein einige Arbeiten beschäftigen, heute nur mal ein “Schlaglicht”: Schauen wir uns einen Agenturtext an, hier von dpa (der wohl auf als Vorlage für einen Beitrag der Berliner Zeitung hergehalten hat – oder beide stützen sich auf dieselbe Quelle, jedenfalls könnte man den Berliner Text nochmal separat sezieren…)
Die nachfolgenden Anmerkungen und Fragen sind nur ein Angebot für die Diskussion – es erfolgt absichtlich keine abschließende Bewertung. Weiterlesen